Reformationsjubiläum 2017: Lebendiges Licht

Published 10/11/2017 in Die Gegenwart, Politik

Reformationsjubiläum 2017: Lebendiges Licht
Der Pausenhof wird bald voller: Die internationale Schule in Oberursel bei Frankfurt

Was das Reformationsjubiläum 2017 war – und was aus ihm werden muss.

Am 31. Oktober 2017 wird nicht nur ein Jahr zu Ende gegangen sein, das dem Thema „Reformation“ gewidmet war- es endet eine ganze Dekade des Feierns und Gedenkens. Kein Wunder, wenn nun landauf, landab nach dem Ertrag gefragt wird, danach, was gelungen und misslungen war. Das pflegt so zu sein, wenn Ausstellungen ihre Tore schließen oder Gedenkjahre an ihr Ziel und Ende gekommen sind.

Es ist wenig verwunderlich, wenn in einer differenzierten Gesellschaft die Ergebnisse solcher ersten Analysen durchaus unterschiedlich ausfallen. Dazu sind die Erwartungen an ein solches Jahr beziehungsweise Jahrzehnt des Gedenkens an die Reformation viel zu unterschiedlich: Professoren hoffen, dass Ergebnisse ihrer je eigenen wissenschaftlichen Arbeit endlich den Weg in die breite, nicht nur kirchliche Öffentlichkeit finden- Bischöfe wünschen sich neue Aufmerksamkeit für Kirche in unkirchlich gewordenen Landschaften- Tourismusverbände arbeiten an der maximalen Auslastung eigens aufgebauter Kapazitäten.

Es ist wenig verwunderlich, dass allzu große Erwartungen an solche Gedenkjahre enttäuscht werden: Differenzierte Wissenschaft wird notwendigerweise vereinfacht, wenn sie einem größeren Publikum präsentiert werden soll- ein Jubiläum einer kirchlichen Erneuerungsbewegung hat per se keine Rechristianisierung ganzer Landstriche zur Folge- und die Wochen nach den Ferien oder einem Großereignis wie dem Kirchentag fallen im Blick auf Übernachtungszahlen natürlicherweise ab.

So weit alles keine Überraschung: Wenn es regnet, kommen weniger Besucher zur Internationalen Gartenschau als erwartet. Und als im Zusammenhang des Weltjahres der Physik 2005 ein Einsteinjahr zur Erinnerung an das hundertjährige Jubiläum der Entdeckung der Relativitätstheorie mit namhaften Bundesmitteln gefeiert wurde, waren einzelne Akteure ebenfalls enttäuscht, wie wenig das allgemeine Verständnis für diese Jahrhunderttheorie gesteigert worden war. Eher noch war die Menge der Menschen angewachsen, die anstelle von physikalischem Wissen ein von Anekdoten geprägtes, historisch wenig zutreffendes Bild vom „Genie Albert Einstein“ gewonnen hatten.

Für eine wissenschaftliche Gesamtanalyse des Reformationsjubiläums, die auf einschlägigen Methoden wie beispielsweise repräsentativen Befragungen basiert, ist es derzeit noch zu früh. Aber es ist am Ende einer längeren Periode doch möglich, auf einige Besonderheiten aufmerksam zu machen, die das Reformationsjubiläum vom Jahr der Physik und der letzten Internationalen Gartenschau unterscheiden.

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