Cessnas Mehrzweckflugzeug: Gekauft wie nicht gesehen

Published 18/12/2017 in Motor, Technik & Motor

Cessnas Mehrzweckflugzeug: Gekauft wie nicht gesehen
Der Erstflug der neuen Cessna ist für 2019 geplant.

Cessnas geplantes Mehrzweckflugzeug für Fed Ex überzeugt auch andere Kunden. Gleichsam um drei Luftfracht-Container herum wurde ein Flugzeug konstruiert.

Von diesem Erfolg können andere Flugzeughersteller nicht einmal träumen: Schon vor Beginn der Entwicklung einer neuen Maschine sind 50 Exemplare bestellt, für weitere 50 gibt es Kaufabsichten. Dabei ist die neue Zweimotorige der Textron-Tochtergesellschaft Cessna in Wichita im amerikanischen Bundesstaat Kansas weder besonders fortschrittlich noch elegant geraten: Der Rumpf in Kastenform, Hochdecker-Konfiguration, angetrieben von zwei der bewährten PT-6-Propellerturbinen von Pratt & Whitney. Dazu gibt es entweder einen großen Frachtraum oder in der Passagierversion 19 Sitze, aber noch nicht einmal ein Einziehfahrwerk. Zwei ähnliche Maschinen sind seit vielen Jahren auf dem Markt: Einmal die schweizerisch-deutsche Ruag Do 228 NG, eine modernisierte Neuauflage der einstigen Dornier 228, ebenfalls ein Zweiturbinen-Hochdecker und für bis zu 19 Passagiere oder Fracht ausgelegt. Und die wegen ihrer Robustheit legendäre Twin Otter aus Kanada. Sie wurde früher bei De Havilland Canada gebaut, heute wird sie von Viking Air produziert.

Aber, und hier kommt der kleine Unterschied ins Spiel: Wer sich die virtuelle Frachtversion der neuen Cessna Sky Courier 408 ansieht, stellt fest, dass gleichsam um drei Luftfracht-Container herum ein Flugzeug konstruiert wurde. Und das ist die Erfolgsformel – Cessna hat für seinen langjährigen Stammkunden Federal Express ein maßgeschneidertes Flugzeug entworfen, das aber auch andere kaufen dürfen. Denn die Cessna Caravan, eine einmotorige Maschine mit Propellerturbine, ist seit mehr als drei Jahrzehnten in einer Frachtversion für Fed Ex im Einsatz.

Das Logistikunternehmen gab damals als Erstkunde auch den Anstoß zur Entwicklung der Caravan. Daher bestehen gute Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Unternehmen. Und die Cessna Sky Courier ist deshalb genau so konzipiert, wie es sich Fed Ex wünscht. Eine große Frachttür im Heck dient dem leichten Beladen, ein ebener Rumpfboden mit integrierten Rollen erleichtert Verschieben der drei Frachtcontainer, dazu kommen eine robuste Technik sowie ein Festfahrwerk. Mit maximal 370 km/h ist die neue Zweimot kein Sportler, aber Geschwindigkeit stand angesichts der voluminösen Rumpfform und des nicht einziehbaren Fahrwerks wohl auch nie im Lastenheft.

Fed Ex hat als Erstkunde der Sky Courier womöglich auch seinen Einfluss bei der Triebwerkswahl geltend gemacht. Denn Cessna baut gerade auch eine neue Turbinen-Einmot mit Namen Denali als Reisemaschine, die dem Bestseller Pilatus PC-12 aus der Schweiz Paroli bieten soll. Dieses Flugzeug erhält aber nicht das bewährte PT-6-Triebwerk, sondern eine ähnlich starke und neu entwickelte Propeller-Turbine von General Electric Aviation, die sparsamer sein soll als das Konkurrenzmodell PT-6. Eine Luftfahrtweisheit lautet allerdings: Entweder ein bewährter Motor in eine neue Flugzeugzelle oder bestehendes Flugzeug und neues Triebwerk, aber möglichst nie beides gleichzeitig neu. Nicht unwahrscheinlich ist daher, dass Fed Ex auf die seit Jahrzehnten bewährte PT-6 als Antrieb bestand, um nicht zu viele technische Unwägbarkeiten oder Kinderkrankheiten mit der neuen zweimotorigen Maschine zu riskieren.

Warum aber die etwas krumme Zahl von 19 Sitzen in der Passagierversion? Das hat luftrechtliche Gründe, denn bei sogenannten Zubringerflugzeugen und mehr als 19 Plätzen wäre eine Flugbegleiterin vorgeschrieben, was die Betriebskosten erhöht. Cessna gibt jedenfalls Gas mit der Entwicklung. Die neue Sky Courier soll schon 2019 zum Erstflug abheben, und erste Exemplare sollen 2020 an Fed Ex ausgeliefert werden. Etwa 5,5 Millionen Dollar soll das Flugzeug voraussichtlich kosten.

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