Rücktritt von Ex-Google-Chef: Eric Schmidt dankt ab

Published 22/12/2017 in Unternehmen, Wirtschaft

Rücktritt von Ex-Google-Chef: Eric Schmidt dankt ab
Der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt gibt den Vorsitz im Verwaltungsrat auf.

Eric Schmidt gibt den Verwaltungsratsvorsitz Alphabet, der Mutterholding von Google, ab. Damit geht eine Ära für den Internetkonzern zu Ende.

Als Eric Schmidt vor knapp sieben Jahren seinen Posten als Vorstandsvorsitzender des Internetkonzerns Google aufgab, twitterte er scherzhaft: „Aufsicht durch Erwachsene nicht mehr nötig“. Er war zehn Jahre zuvor angeheuert worden, um Ordnung in das damals noch recht kleine Unternehmen zu bringen und den beiden jugendlichen Gründern Larry Page und Sergey Brin als eine Art Erwachsener vom Dienst zur Seite zu stehen. Nach seinem Rücktritt übernahm Page das Ruder, aber Schmidt blieb dem Unternehmen als geschäftsführender Verwaltungsratsvorsitzender eng verbunden, aller Spekulationen zum Trotz, dass er es sehr bald ganz verlassen würde.

Nun aber zieht sich der 62 Jahre alte Manager tatsächlich weiter zurück: Wie der Google-Mutterkonzern Alphabet mitteilte, wird er den Verwaltungsratsvorsitz im Januar abgeben. Er soll nur noch einen einfachen Sitz in dem Gremium behalten und außerdem als „technischer Berater“ für das Unternehmen fungieren. Er dürfte damit bei Alphabet weitgehend aus dem Rampenlicht verschwinden.

Die Entscheidung markiert das Ende einer Ära. Eric Schmidt war eine zentrale Figur in der Geschichte des Unternehmens. Er hat einen wesentlichen Anteil am Aufstieg von Google zu einem Giganten der Internetbranche. Unter seiner Führung ging das Unternehmen 2004 an die Börse und weitete seinen Aktionsradius jenseits seiner namensgebenden Suchmaschine aus, zum Beispiel mit den Zukäufen des Handy-Betriebssystems Android und der Videoseite Youtube. Obwohl er Vorstandschef war, verstand er sich als Teil eines Triumvirats mit den beiden Gründern, und über größere Weichenstellungen wurde gemeinsam beraten. Schmidt hat sogar einmal gesagt, im Falle von Meinungsverschiedenheiten sei sein Motto gewesen: „Lass’ die Gründer entscheiden.“

Patzer zum Thema Datenschutz

Als langjähriges öffentliches Gesicht von Google war Schmidt indessen auch derjenige, der mit Kritikpunkten an seinem Unternehmen identifiziert wurde. Und er leistete sich Patzer, die eine verheerende Außenwirkung hatten. Etwa als er 2009 bei einem Fernsehinterview unbekümmert sagte: „Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es jemand erfährt, vielleicht sollten Sie es dann gar nicht tun“. Damit spielte er Kritikern in die Hände, die Google vorwarfen, sich nicht um Datenschutz zu scheren. Schmidts Gegner fanden es auch wenig überzeugend, dass er Sorgen um die wachsende Dominanz seines Unternehmens im Internet regelmäßig mit dem lapidaren Satz „Die Konkurrenz ist doch nur einen Mausklick entfernt“ kleinredete. In jedem Fall wurde Schmidt für seine Arbeit fürstlich entlohnt, vor allem mit üppigen Aktienpaketen. Die Zeitschrift „Forbes“ beziffert sein gegenwärtiges Vermögen auf 13,8 Milliarden Dollar. Das ist eine imposante Summe für jemanden, der nicht als Gründer reich wurde, sondern als angestellter Manager.

Mit seinem Rücktritt als Vorstandschef Anfang 2011 gab Schmidt Aufgaben im operativen Geschäft ab. Er blieb aber an der Spitze des Verwaltungsrats zunächst von Google und dann von der neu geschaffenen Holding Alphabet in der Öffentlichkeit sehr präsent. 2014 veröffentlichte er zum Beispiel ein Buch mit dem Titel „How Google works“ („Wie Google funktionierte“), das Einblicke in sein Unternehmen gewährte. Schmidt war in den vergangenen Jahren so etwas wie der „Außenminister“, der die Interessen von Google und Alphabet auf der Weltbühne vertrat. Dazu gehörte es auch, die Nähe von Politikern zu suchen. Schmidt hatte zum Beispiel einen sehr guten Draht zum früheren amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Im jüngsten Präsidentschaftswahlkampf hat er Hillary Clinton unterstützt, und in der Wahlnacht war er auf Ihrer offiziellen Party in New York.

Schmidt hat aufs falsche Pferd gesetzt, die Wahl wurde von Donald Trump gewonnen. Die veränderten politischen Verhältnisse haben dafür gesorgt, dass Schmidts Nähe zur Demokratischen Partei für Alphabet nicht mehr so wertvoll ist. Der Manager wurde zwar nach der Wahl und noch vor der Vereidigung Trumps mehrmals im Trump Tower gesehen. Trump hat ihn aber angeblich auch verächtlich „den Kerl, der versucht hat, Hillary zum Sieg zu verhelfen“ genannt. Als Außenminister hat Schmidt an Einfluss verloren, und vielleicht hat das jetzt eine Rolle bei seinem Rückzug gespielt. Alphabet hat außerdem andere starke Figuren neben den Gründern, die in Schmidts Fußstapfen treten können, etwa Sundar Pichai, Vorstandschef von Google. Alphabet selbst nannte keine konkrete Begründung für die personelle Veränderung. Schmidt sagte lediglich, dass nun der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen sei.

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