Bethlehem: Weihnachten im Schatten des Nahost-Konflikts

Published 24/12/2017 in Ausland, Politik

Bethlehem: Weihnachten im Schatten des Nahost-Konflikts
Kopf-an-Kopf: Ein als Weihnachtsmann verkleideter Palästinenser kommt mit einem israelischen Soldaten zusammen.

Zweitausendsiebzehn Jahre nach der Geburt Jesu zieht der Lateinische Patriarch von Jerusalem heute nach Bethlehem ein. Das Weihnachtsfest wird dieses Jahr von Unruhen überschattet.

Mit dem feierlichen Einzug des Jerusalemer Patriarchatsleiters Pierbattista Pizzaballa in Bethlehem beginnen am frühen Sonntagnachmittag in der Geburtsstadt Jesu die Weihnachtsfeiern. Das Oberhaupt der Lateinischen Christen im Heiligen Land wird von der Jerusalemer Altstadt aus mit einem Autokonvoi über den israelischen Checkpoint nach Bethlehem fahren, wo er von der palästinensischen Bevölkerung begrüßt wird.

Anders als seine Vorgänger will Erzbischof Pizzaballa das letzte Wegstück durch die Straßen der Kleinstadt zu Fuß zurücklegen. Ziel ist die Geburtskirche, die unter Kaiser Konstantin über der traditionell als Geburtsort Christi verehrten Grotte errichtet wurde.

Das rund zehn Kilometer südlich von Jerusalem gelegene Bethlehem ist seit 1996 Teil der autonomen Palästinensergebiete. Die knapp 30.000 Einwohner zählende Stadt ist laut den biblischen Berichten der Geburtsort Jesu. Im Zusammenhang mit der Volkszählung unter dem römischen Kaiser Augustus heißt es beim Evangelisten Lukas: „Auch Josef machte sich auf den Weg. Von Nazareth in Galiläa ging er nach Bethlehem, das in Judäa liegt. Das ist der Ort, aus dem König David stammt.“

Wissenschaftler gehen davon aus, dass für diese Verortung der Geburt Jesu in Bethlehem wichtige theologische Gründe sprechen, denn im Alten Testament hatte der Prophet Micha angekündigt: „Doch dir, Bethlehem, lässt der Herr sagen: So klein du bist unter den Städten in Juda, aus dir wird der Mann kommen, der künftig Israel führen wird.“ Forscher sprechen von einer „theologischen Geografie“. Ab Mitte des zweiten Jahrhunderts gibt es schriftliche Zeugnisse, die berichten, Jesus sei in einer Höhle bei Bethlehem geboren.

Im Mittelpunkt Bethlehems stehen der Krippenplatz und die fünfschiffige Geburtskirche, die der Tradition zufolge über jener Höhle errichtet wurde, in der Jesus zur Welt kam. Das festungsartige Gotteshaus geht in seiner heutigen Form auf einen Bau des sechsten Jahrhunderts zurück und ist eine der ältesten Kirchen des Landes. Unter der Geburtskirche wird in einem verzweigten Höhlensystem die Geburtsgrotte als Ort des biblischen Geschehens verehrt.

Auszug aus Bethlehem

Bethlehem wurde in den vergangenen Jahren durch israelische Sperranlagen abgeriegelt. In Folge von Verarmung, Arbeitslosigkeit und sozialen Problemen ziehen viele Bewohner weg, vor allem Christen. Bereits durch die Flüchtlingsbewegungen im Zuge der israelischen Unabhängigkeit verloren die Christen über die Jahrzehnte die traditionelle Bevölkerungsmehrheit. Seit Beginn der palästinensischen Autonomie setzte eine rege Bautätigkeit ein, die das Straßenbild stark veränderte.

Überschattet wird das Weihnachtsfest in diesem Jahr von den Unruhen infolge der Jerusalem-Erklärung von Amerikas Präsident Donald Trump. Seit seiner Äußerung vom 6. Dezember, in der er Jerusalem als Hauptstadt Israel bezeichnete, war der Tourismus in den Palästinensergebieten stark eingebrochen. Auch in Bethlehem kam es anfangs zu Ausschreitungen, die jedoch bald abebbten. In den Monaten zuvor hatte die Geburtsstadt Jesu einen Touristenboom erlebt. Im März diesen Jahres hat der Künstler Banksy ein Hotel hier eröffnet. Es wirbt mit „dem schlechtesten Blick der Welt“.

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