Sagen Sie mal, Frau Doktor: Wie belastend ist die Pille für den weiblichen Körper?

Published 12/12/2017 in Gesellschaft, Gesundheit

Sagen Sie mal, Frau Doktor: Wie belastend ist die Pille für den weiblichen Körper?
Blister mit verschiedenen Antibabypillen

Ist die Pille verantwortlich für Lustlosigkeit im Bett? Eines ist zumindest klar: Das Präparat, das für sexuelle Freiheit sorgen soll, kann Probleme verursachen.

Verhütung ist ein weibliches Substantiv. Man könnte jetzt sagen, das ist nicht überraschend, denn erstens ist das Thema „nicht schwanger werden wollen“ tatsächlich weitgehend Frauensache. Und auch sonst ist das Thema Verhütung fest in weiblicher Hand. Oder besser im weiblichen Leib, deshalb sind Frauen ein interessanter Markt für die Verhütungsmittel-Industrie.

41 Prozent der Frauen in Deutschland, rund 18 Millionen, sind aktuell in ihrer fruchtbaren Phase. Nach Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wenden rund drei Viertel der sexuell aktiven Bevölkerung Verhütungsmittel an. Das Verhütungsmittel der ersten Wahl ist die Pille (53 Prozent), gefolgt vom Kondom (37 Prozent). Bei den Frauen zwischen 30 und 39 wird die Spirale bedeutsam und wird von 10 Prozent genutzt, sie enthält in vielen Fällen ebenfalls Hormone wie die Pille. Die Sterilisationen von Mann oder Frau machen ebenfalls ein paar Prozent aus, aber erst wenn die Betroffenen die 40 Jahre überschritten haben. Die Sterilisation, also sich die Samenleiter abbinden zu lassen, ist psychisch für manchen Mann schwierig, da er dann nicht mehr „scharf schießen kann“, wie es mal ein Freund ausdrückte.

Bartwuchs, Haarausfall oder manche Akneformen

Und auch das ist typisch fürs Thema Verhütung: Die Männer klagen gleich, aber was die hormonelle Verhütung mit den Frauen macht, wird totgeschwiegen. Oft kein Wort über die körperlichen und vor allem psychischen Nebenwirkungen der Pilleneinnahme bei der Frau. Die hormonelle Verhütung ist ein Eingriff in die Biologie des weiblichen Körpers und des Gehirns, die reiflich abgewogen werden sollte.

Blutdruckerhöhung, Anstieg der Leberwerte, erhöhtes Risiko für Thrombose und Lungenembolie oder ein womöglich erhöhtes Risiko für Brustkrebs sind vielfach diskutierte und durchaus bekannte ernste Nebenwirkungen der hormonellen Verhütung. Scheidentrockenheit, Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen, Pilz- und Blaseninfektionen, braune Flecken im Gesicht und Schmierblutungen sind ganz alltägliche Nebenwirkungen. Viele Hormonprodukte führen durch die enthaltenen künstlichen Gelbkörperhormone außerdem zu öliger Haut, großen Poren, Pickeln, Haarausfall und Damenbart – alles Beschwerden, die Frauen oft nicht mit den Hormonen in Verbindung bringen.

Wirklich sinnvoll kann eine Hormongabe sein, wenn damit gynäkologische Erkrankungen behandelt werden. Es gibt ein paar spezielle Pillen mit einem Gelbkörperhormon, das einen anti-männlichen Hormon-Effekt hat und Bartwuchs, Haarausfall oder manche Akneformen bessert. Auch bei gynäkologischen Erkrankungen wie Zysten in den Eierstöcken oder Endometriose ist die Pille als Medikament wirksam.

Hemmung des Sexualtriebes

Die Pille wird seitens der Pharmaindustrie in hübschen Verpackungen mit Blumen und geschwungenen femininen Deko-Linien präsentiert. Dabei handelt es sich jedoch de facto um ein Arzneimittel, das man in einen gesunden Körper einwirft, fast so, als wären es Bonbons.

Viele junge Frauen nutzen die Pille schon mit 14 Jahren. Es soll ihnen sexuelle Freiheit geben. Der Preis ist in vielen Fällen hoch: Das Gefühl, spontan Lust, Gier und sexuellen Trieb zu empfinden, was man ja Männern (die nicht hormonell geplättet sind) als genuin zuschreibt, kennen viele Frauen unter der Pille nicht. Sie haben auch Sex, doch müssen sie sich unter der Pille stärker dazu motivieren- es ist weniger der körperliche Trieb als eine Kopfentscheidung, für die sie bewusste Impulse benötigen oder äußerliche Stimuli. Erst nach dem Absetzen der Pille spüren Frauen oft sexuelles Begehren, das einfach als Bauchgefühl ganz ohne Trigger entsteht. Die Pharmaindustrie liegt also mit im Bett und hemmt die triebgesteuerte sexuelle Selbsterkundung, die gerade die Pille doch eigentlich erst ermöglichen sollte.

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