Tipps für überforderte Eltern: Mathe kann doch jeder!

Published 24/11/2017 in Gesellschaft, Menschen

Tipps für überforderte Eltern: Mathe kann doch jeder!
Erst einmal nachzählen: Auch Eltern sind bei den Matheaufgaben ihrer Kinder manchmal überfordert.

Bruchrechnen, Algebra, Stochastik – bei vielen Schülern lösen diese Worte Angstschweiß aus. Allerdings häufig auch bei ihren Eltern. Dabei kann die Rechnerei durchaus spielerisch ablaufen. FAZ.NET gibt Tipps für einen entspannten Umgang mit Zahlen.

Quadratwurzeln, Ableitungsfunktionen, Winkelsymmetrale – vielen treiben diese mathematischen Begriffe den Angstschweiß auf die Stirn. Nur wenige pflegen mit dem, was sich dahinter verbirgt, einen souveränen Umgang. Andere gehen mit ihrem Nichtwissen in die Offensive. In manchen Kreisen gehört es fast zum guten Ton, damit zu kokettieren, schlecht in Mathematik zu sein. Wer in Mathe eine Null ist, ist bei anderen die Eins. Plaudert ein Prominenter, er sei grottenschlecht in Algebra gewesen und bekomme allein vom Stichwort Stochastik Pusteln, wird er „gelikt“, die anderen fühlen sich verstanden. Wer das Einmaleins aus dem Effeff beherrscht, der erhält keineswegs so viel Anerkennung wie der mutige Turmspringer oder das Mädchen mit der Feenfrisur.

Zudem setzen manche Lehrer Mathematik als Machtinstrument ein und versperren damit den angstfreien Zugang. Mit Folgen: Nach Informationen der Bertelsmann Stiftung erhalten hierzulande 1,2 Millionen Schüler Nachhilfe. Und – was nicht wirklich wundert – am häufigsten in Mathematik. Mathe hat kein gutes Image und gilt als schwer zu lernen, geschweige denn zu beherrschen. Diese Botschaft träufelt schon in kleine Gehirne. Trotz massenhafter professioneller Nachhilfeangebote verbessert sich nur wenig. Auch digitale Lehrangebote haben daran bislang nur wenig geändert.

Kinder bewerten Dinge nicht

Zugleich bekommt der Nachwuchs mit, dass Mathematik aber wichtig ist. Mathe braucht jeder und immer – ob im Alltag oder Beruf. Informatik ist Schulfach, und Zahlen sind so entscheidend wie Buchstaben. Nicht nur die Heerscharen von BWL-Studenten, auch Architekten müssen sich auskennen, Psychologen und Soziologen sollten einigermaßen sattelfest in Statistik sein. Wer keinen Schimmer von Wahrscheinlichkeitsrechnung hat, wird Big-Data-Berichte nicht einordnen können. Wie sehr es sich rächen kann, die Welt der Zahlen nicht zu verstehen, enthüllt sich bei manchem erst bei der ersten großen Anschaffung und dem Grübeln über einen Kredit für ein neues Auto oder eine Eigentumswohnung: Die Zinsrechnung überfordert sie, spätestens beim Unterschied zwischen Effektiv- und Nominalzins steigen sie aus. Auch ist der Unterschied zwischen Prozent und Prozentpunkt oder zwischen Durchschnitt und Median vielen Erwachsenen nicht geläufig, was zuweilen zu weiteren Unklarheiten führt.

Grund genug, sich die Sache mit den Zahlen ohne Qualen einmal näher anzuschauen. Denn grundsätzlich sind Kinder auf alles neugierig und bewerten Dinge nicht. Wird ihnen ein entspannt-souveräner Umgang mit Zahlen vermittelt, können sie auf dieser sicheren Grundlage aufbauen und unbeschwert an komplexe Dinge herangehen. Also möglichst nicht eigene Versagensängste hochwabern lassen und sich der Zahlenzauberei unbefangen nähern – so unangestrengt wie möglich. Das ergibt Sinn, hat eine Studie von Bildungsforschern der Universität Tübingen herausgefunden: Kinder, deren Eltern sich wenig für Mathematik interessieren, profitieren mehr von einer unterstützenden Maßnahme zur Steigerung der Motivation als Kinder, deren Eltern Mathematik als wichtig erachten. Die Wissenschaftler vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung sprechen von einem Robin-Hood-Effekt in dem Sinne, dass die „Motivationslücke“ zwischen Kindern aus unterschiedlichen Familien verringert wird, indem nützliche Informationen zugunsten benachteiligter Kinder verteilt werden. Mit anderen Worten: Motivation ist bei Mathe die halbe Miete.

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