Die Sorgen der Eltern: Hilfe, mein Kind ist krank!

Published 14/10/2017 in Gesellschaft, Menschen

Die Sorgen der Eltern: Hilfe, mein Kind ist krank!
Anke Schipp

Wenn Kinder husten, fiebern, bluten, fangen Eltern an zu rotieren. Was kann das sein? Müssen wir zum Arzt? Über ein Leben zwischen Sorge und Hysterie.

Das erst mal vorab: Ich gehe nicht gerne zum Arzt. Vorsorgetermine sind mir ein Graus, mein Impfpass liegt zerfleddert in irgendeiner Schublade, Erkältungen versuche ich zu ignorieren. Was Krankheiten angeht, gehöre ich zu den Verdrängern und lebe nach dem Motto: Mit Medikamenten dauert eine Erkältung sieben Tage – ohne eine Woche.

Was allerdings meine Kinder betrifft, bin ich wie ausgewechselt. Seitdem sie auf der Welt sind, treiben mich Sorgen um, die ich vorher gar nicht kannte, bilden sich Szenarien in meinem Kopf, die mich nicht schlafen lassen, schwanke ich zwischen Sorge und Hysterie.

Zur Glückseligkeit kommt Hilflosigkeit

Das Gefühl begann an Tag 1, als ich in einem sterilen Krankenhauszimmer neben einem Rollbettchen stand, in dem ein kleines Knäuel lag, das seine Patschehändchen in der Größe einer Walnuss in die Luft hob. Da lag er, der neue Erdenmensch, klein, hilflos, schutzbedürftig. Und seitdem empfand ich neben großem Glück auch eine gewisse Hilflosigkeit und das Gefühl: Es gibt eine ganze Menge Sachen, die passieren können, die man falsch machen kann, die dieses kleine Wesen bedrohen.

Gleich in der ersten Nacht bekam das Kind Schluckauf. Der ganze Körper vibrierte bei jedem Hicks, und es hörte überhaupt nicht mehr auf. In der stillen Dunkelheit des Krankenzimmers kamen sie mir vor wie Gewehrschüsse. Um 3 Uhr nachts klingelte ich nach der Nachtschwester und sagte in dramatischem Ton: „Das Baby hat Schluckauf.“ Die Nachtschwester lächelte milde und antwortete mütterlich: „Das ist ganz normal, machen Sie sich keine Gedanken!“

Diese Frage stellte sich mir seitdem Hunderte Mal: Ist das jetzt normal? Das Fieber? Die Hautrötung? Der Husten? Die tränenden Augen? Aber es gibt keinen roten Knopf, mit dem ich mal eben schnell nach der Nachtschwester klingeln kann. Schon während der Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt begann ich die Blicke des Arztes zu interpretieren und Schwankungen im Tonfall als Alarmsignale zu deuten. Ich legte jede Bemerkung auf die Goldwaage. „Ihr Kind wiegt jetzt 3600 Gramm!“, hieß es bei der U3. Sofort begann es in meinem Kopf zu arbeiten: Ist das vielleicht nicht genug? Muss ich womöglich zufüttern? Ich fragte vorsichtig nach: „Äh, und was heißt das jetzt?“ Der Arzt hob kurz seinen Kopf: „Nichts, alles wunderbar.“

So ging das immer weiter. U4: „Der Kopf Ihres Kindes ist recht groß.“ – „Was?“ – „Keine Angst, alles im Normbereich.“ Dann kamen die vielen Fragen. U5, U6, U7, U 8: Isst Ihr Kind auch richtig? Schläft es durch? Hat es sich schon gedreht? Fängt es an zu laufen? Hört es? Spricht es? Jede Vorsorgeuntersuchung eine kleine Prüfung – und die Angst, dass irgendwas sein könnte, was man bisher übersehen hatte.

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