Air-Berlin-Kauf von Lufthansa: Steigen jetzt die Ticketpreise für Flüge?

Published 12/10/2017 in Unternehmen, Wirtschaft

Air-Berlin-Kauf von Lufthansa: Steigen jetzt die Ticketpreise für Flüge?
Die Lufthansa übernimmt große Teile von Air Berlin.

Die Lufthansa baut ihre Vormachtstellung in Deutschland aus. Das schürt Sorgen vor steigenden Preisen. Konzernchef Spohr tritt dem entgegen.

Die Deutsche Lufthansa hat sich mit der insolventen Air Berlin geeinigt, große Teile dieser Fluggesellschaft zu übernehmen. Damit baut die Lufthansa ihre Marktführerschaft aus und heizt die Debatte über steigende Flugpreise an. Für den Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr ist indes ausgemacht, dass sich der Wettbewerb am Himmel noch verschärfen wird, obwohl die Marke Air Berlin verschwindet. Spohr rechnet sogar „mit grundsätzlich sinkenden Preisen“.

Ob auch Wettbewerbshüter diese Sicht teilen, ist offen. Die EU-Kommission muss die Vereinbarung nun prüfen, Spohr rechnet bis zum Jahresende mit einem Ergebnis. Offen ist derweil, ob der britische Billigflieger Easyjet einen Teil des Air-Berlin-Betriebs mit bis zu 30 Flugzeugen übernimmt. Der Air-Berlin-Gläubigerausschuss hatte eine Frist bis zum gestrigen Donnerstag gesetzt, um mit Lufthansa und Easyjet als bevorzugten Bietern zu verhandeln. Mit den Briten konnte aber bislang keine Einigung erzielt werden, die Verhandlungen dauern an. Sollten sie scheitern, könnten doch noch andere Bieter wie die deutsche Fluggesellschaft Condor zum Zuge kommen. Die Zeit für Verhandlungen wird knapp, Air Berlin stellt den Betrieb unter eigenen Flugnummern zum 28. Oktober ein.

Spohr rechnete vor, der Marktanteil der Lufthansa in Deutschland werde durch die Übernahme der Teile von Air Berlin lediglich von 34 auf 41 Prozent steigen. Auf dem Weltflugmarkt habe Lufthansa nur einen Marktanteil von 3 Prozent. Das Luftverkehrsgeschäft sei eine „brutal hart umkämpfte Branche“. Lufthansa arbeite aber profitabel, das habe Air Berlin trotz 2 Milliarden Euro Subventionen aus Abu Dhabi nicht erreicht. Nach Zahlen der Bank of America Merrill Lynch kommt der Lufthansa-Konzern einschließlich der Marke Eurowings und Air Berlin zusammen auf Inlandsstrecken aber auf einen Marktanteil von 98 Prozent. Easyjet galt als Hoffnungsträger, durch einen Eintritt ins Inlandsgeschäft für Wettbewerb zu sorgen. Als Beispiel, dass nach dem Ausscheiden eines Anbieters auf einer Strecke Preise steigen, wird von Fachleuten stets die Verbindung von Hamburg nach Frankfurt angeführt, die Air Berlin aufgegeben hatte.

Konkurrenz durch Eurowings?

Lufthansa-Chef Spohr stellte in Aussicht, dass der Konzern selbst mit seiner Tochtermarke Eurowings für Konkurrenz sorgen werde. „Der Wettbewerb wird sich auch auf den Strecken einstellen, auf denen sich bisher nur Lufthansa und Air Berlin Konkurrenz machten.“ So könne die Lufthansa auf diesen Strecken die eigene Tochtergesellschaft Eurowings mit günstigeren Preisen einsetzen. Wettbewerbsfachleute bezweifeln aber, dass sich die Lufthansa auf diese Weise selbst unter Druck setzen wird. „Das ist ein netter Versuch, die Wettbewerbsprobleme klein zu reden“, sagte der ehemalige Chef der Monopolkommission Daniel Zimmer. „Niemand in der Geschäftsleitung eines Konzerns wird dafür sorgen, dass sich die verschiedenen Unternehmen eines Konzerns gegenseitig so viel Konkurrenz machen, wie es bisher zwischen Air Berlin und Lufthansa der Fall gewesen ist.“

Der Vorsitzende der Monopolkommission Achim Wambach, zeigte sich zuversichtlich, dass die EU die Übernahme streng prüfen werde. „Die Wettbewerbsbehörden werden ein mögliches Monopol verhindern“, sagte Wambach. Deutschland und Europa könnten dabei nicht einfach als ein homogener Markt betrachtet werden, es komme vielmehr auf die Strecken im Einzelnen an. „Diese Einzelfallprüfungen werden mit Sicherheit nicht einfach sein.“ Auf vielen innerdeutschen und innereuropäischen Strecken seien Lufthansa und Eurowings schon jetzt stark. „Damit sich die fusionskontrollrechtliche Freigabe nicht zu lange hinzieht, wäre es hilfreich, wenn die Lufthansa den Kartellbehörden frühzeitig Zusagen macht, um die wettbewerbsrechtlichen Probleme zu entschärfen“, forderte Wambach.

Für die Preisentwicklung auf Ferienflügen, mit denen Pauschalreiseurlauber zu Stränden rund um das Mittelmeer fliegen, gibt es indes zwei Szenarien. Weil Eurowings zum größten Anbieter dieser Flüge aufsteigt, fürchten Touristiker, dass die Gesellschaft dies in Verhandlungen mit Reisekonzernen ausnutzt. Steigende Pauschalreisepreise wären die Folge. Dagegen steht die Argumentation, dass durch das Aus für Air Berlin die Zahl der für Pauschalreisende bereit stehenden Flugzeuge nicht sinkt. An aktuellen Überkapazitäten im Ferienfluggeschäft ändere sich nichts. „Man muss befürchten, dass Überkapazitäten komplett im Markt bleiben und sogar mehr werden“, sagte jüngst Condor-Manager Paul Schwaiger. „Wir werden einen starken Preiskampf erleben, das wird die Kunden freuen, für die Airlines ist das weniger erfreulich.“

Der letzte Flug

Der letzte Flug von Air Berlin wird am 27. Oktober von München nach Berlin gehen. Das teilte eine Unternehmenssprecherin am Donnerstag auf Anfrage mit. Die Maschine mit der Flugnummer AB6210 startet planmäßig um 21.35 Uhr in München und ist zur Ankunft in Berlin-Tegel um 22.45 Uhr vorgesehen.

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