Sieben Superbikes im Vergleich: Jenseits der Schallmauer

Published 02/10/2017 in Motor, Technik & Motor

Sieben Superbikes im Vergleich: Jenseits der Schallmauer
Walter Wille

200 PS und kein Ende in Sicht: In der Königsklasse des Motorradbaus steigt die Leistung in den Himmel. Im Gegensatz zu den Verkaufszahlen.

Sprechen wir es gleich aus, das böse Wort. Früher oder später wird es ohnehin fallen, in Leserbriefen oder Online-Kommentaren, gebraucht von Zynikern, die ihre ganze Verachtung ausdrücken wollen. Organspender. Was sie damit meinen: Alles Irre, die mit so etwas herumfahren, Raser mit Todessehnsucht.

Die Saison neigt sich dem Ende zu, und oft genug in den zurückliegenden Monaten hat man sich als Motorradfahrer geniert, ein solcher zu sein. Wegen „Bikern“, die der Überzeugung sind, durch Überstülpen eines Helms entziehe man sich dem Geltungsbereich jeglichen Regelwerks. Volle Flamme zwischen Autokolonnen hindurch, mit flatterndem T-Shirt auf der Standspur rechts am Stau vorbei, über die doppelte durchgezogene Linie hinweg beim Überholen in den Gegenverkehr hinein – dergleichen sieht man zur Genüge. Peinliche Figuren verschaffen sich Gehör durch hohe Drehzahlen in niedrigen Gängen. Oder meinen, im Stadtverkehr durch Schlangenlinienfahren ihre Reifenflanken aufwärmen zu müssen wie Márquez vorm Qualifying.

Motorräder, mit denen solches Verhalten gern in Verbindung gebracht wird, lassen sich auf dieser Seite betrachten. Superbikes sind der Schrecken der Qashqais und Tiguane, setzen schon durch ihr Äußeres ein Signal der Aggressivität. Fährt man nach Feierabend mit solch einer Maschine vor, schauen die Nachbarn irritiert und distanziert. Ganz anders, als wenn ein gemütlicher Retroklassiker oder eine Acht-Zentner-Harley auf den Hof bollert. Solchen Fuhrwerken wird Sympathie entgegengebracht.

Selbstverständlich ist es ungerecht, einem Fahrzeug anzulasten, was sein Benutzer damit macht. Unhöflichkeit ist kein Alleinstellungsmerkmal der Supersport-Kategorie. Um dem Stau zu entkommen, kann man durchaus die Vorteile des Einspurfahrzeugs nutzen, ohne alle anderen gegen sich aufzubringen. Und überhaupt tun sich nicht allein Motorradfahrer durch unverschämtes Verhalten im Straßenverkehr hervor. Aber das alles ändert nichts an der Tatsache, dass es sich bei jedem einzelnen der Motorräder auf dieser Seite um eine Bestie handelt, die unentwegt versucht, die Person im Sattel anzustacheln.

Technik und Leistungsfähigkeit der Superbikes haben ein schwindelerregendes Niveau erreicht. Rund 200 PS bei etwa 200 Kilo mit vollem Tank sind momentan Stand der Dinge. In den Zulassungspapieren finden sich unter dem Punkt Höchstgeschwindigkeit Werte wie 293 (Honda) oder 295 (Suzuki). Die Aprilia erreicht im sechsten Gang 305 km/h. Null bis 100 ist eine Sache von gut drei Sekunden. Nach wenig mehr als sieben Sekunden sind Könner auf 200.

Arsenal an Assistenzsystemen

Kein Hersteller lässt so etwas auf die Kundschaft los, ohne ein Arsenal an Assistenzsystemen einzubauen. Elektronischer Gasgriff und rechnergesteuerte Drosselklappen leiten die Kommandos des Fahrers in geordnete Bahnen. Sensorboxen überwachen Längs-, Quer- und Vertikalkräfte, Roll- und Gierraten, füttern ABS und Traktionskontrollen mit Informationen, damit deren Eingriffe auf die gegebenen Umstände abgestimmt werden können, auf die Schräglage beispielsweise. Wie viel Schlupf dem Hinterreifen am Asphalt zugestanden wird, wie hoch das Vorderrad beim Gasgeben und das Hinterrad beim Bremsen abheben dürfen, wie stark das Motorbremsmoment beim Schließen des Gasgriffs ausfällt, kann der Fahrer per Knopfdruck bestimmen.

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