Lehren aus der Bundestagswahl: Die CSU soll regieren, nicht jammern!

Published 08/10/2017 in Inland, Politik

Lehren aus der Bundestagswahl: Die CSU soll regieren, nicht jammern!
Unzufrieden mit dem Wahlergebnis und der Lage seiner Partei: CSU-Chef Horst Seehofer am Dienstag nach der Bundestagswahl in Berlin

Nach der Bundestagswahl sitzt der Schock bei der CSU besonders tief. Doch statt nach vorne zu blicken, ist Parteichef Seehofer in aggressives Selbstmitleid verfallen. Ein Kommentar.

Bayern will Spitzenreiter sein, Bessermacher, Vorbild. Bayerns Partei ist die CSU. Aber sie hat eine Wahl verloren. Deshalb steht jetzt die Bundespolitik still. Alles wartet, dass die verheulte CSU sich zusammenreißt. Fähigkeit zur Selbstkritik ist eine Tugend. Wer im Falschen beharrt, verspielt die Zukunft. Man kann sich aber auch ins graue Jammertal verirren. Wie die CSU.

Die Union hat nach dem Wahltag allen Grund, ihre Stimmverluste an die rechte Alternative und die Lindner-Liberalen zu analysieren. Sie darf nicht tatenlos zusehen, wie ihre Wähler zu Millionen davonlaufen. Doch die Vorsitzenden von CDU und CSU haben auf das Wahlergebnis zunächst störrisch oder kopflos reagiert. Während Angela Merkel nicht wusste, was sie hätte anders machen sollen, verfiel Horst Seehofer in aggressives Selbstmitleid.

Merkel, die sich gerne als Virtuosin der Macht gibt, fehlten am Wahltag und danach die passenden Worte. Es schien, als habe die Ewige bloß das Kanzleramt im Blick, nicht aber die Zukunft der Partei und die Schmerzen derer, die zu Dutzenden auch ihretwegen die Wahlkreise verloren haben. Das wirkte wie ein spätrömischer Realitätsverlust. Während der beiden Nachwahlwochen hörte man nur wenig von ihr.

Die CDU-Vorsitzende hat auf dem Deutschlandtreffen der Jungen Union endlich das getan, was jetzt ihre Aufgabe ist: Sie versuchte zu überzeugen, und sie machte klar, dass sie führen will, nicht klagen. Beides kam recht gut an, bei der bürgerlichen Jugend, die aus beiden Parteien kommt.

Merkel macht Fortschritte, die CSU zweifelt

Deren Anführer hatte zuvor verlangt, es müsse auch bei ihnen ein Parteitag über einen eventuellen Koalitionsvertrag mit Grünen und FDP abstimmen. Merkel sagte das gerne zu, denn die Junge Union geht offenbar davon aus, dass es einen solchen Vertrag geben wird. Das ist schon ein Fortschritt im Vergleich zur Zweifel-CSU.

Bei der anschließenden Diskussion wurde Merkel lebhaft kritisiert, was denn sonst. Aber klar wurde auch: Es muss nach vorne geblickt werden, weil es ums Land geht, ums Regieren. Dazu in erster Linie ist die Union gemacht. Das Wahlergebnis war schlecht, aber es besagt eindeutig: CDU und CSU sollen Deutschlands Regierung führen, Merkel weiter Kanzlerin sein. Zumindest vorläufig.

Die CSU scheint das gerade zu vergessen. Sie badet seit zwei Wochen in Tränen und Trübsinn. Seehofer stottert und stammelt sich durch die Gremiensitzungen seiner Partei, seine öffentlichen Auftritte zeigen einen gehetzten Mann, dem die Parteifeinde Söder und Sonstwer unentwegt ins Fleisch hacken. Obergrenze, Obergrenze stöhnt er auf dem politischen Sterbebett, aber so tot ist Merkel noch nicht, dass sie ihm das zugestehen müsste.

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