Französische Politikerinnen: Denn sie wissen, was ihnen steht

Published 30/09/2017 in Mode & Design, Stil

Französische Politikerinnen: Denn sie wissen, was ihnen steht
Das Kabinett des französischen Präsidenten Emmanuel Macron bei dem Fototermin am 22. Juni 2017.

In keinem Land der Welt sind die Spitzenpolitikerinnen so verblüffend gut gekleidet wie in Frankreich. Was machen sie richtig?

Der 22. Juni war ein heißer Tag. Die Hitzewelle in Frankreich machte besonders den Bewohnern der Hauptstadt zu schaffen. Bis zu 29 Grad wurden in der Nacht auf den 22. Juni gemessen- es war die heißeste Juni-Nacht in der Geschichte der französischen Wetteraufzeichnungen. Blöderweise stand ausgerechnet an diesem Tag für das neu gebildete Kabinett des Präsidenten Emmanuel Macron der Fototermin an. 30 Amtsträger sowie der Präsident fanden sich im Garten des Élysée-Palastes ein.

Das Bild, das dabei herauskam, kann einen umhauen. Nicht wegen der Lässigkeit des neuen Umweltministers Nicolas Hulot, der ohne Krawatte kam, weil er überhaupt selten Krawatten trägt. Es sind vor allem die Frauen, die hier so selbstverständlich Anlass und Bedingung miteinander verknüpfen, wie es nur Französinnen können, vor allem französische Spitzenpolitikerinnen. 15 Frauen sind auf dem Bild zu sehen, denn Macron hatte sich ein Kabinett mit so vielen Ministerinnen wie Ministern vorgenommen.

Und wenn sich deutsche Frauen noch immer fragen, ob sie mit einem Oberteil ohne Ärmel und offenen Schuhen sommers ins Büro gehen können, zeigt Annick Girardin, die Ministerin für die Überseegebiete, dass so etwas sehr wohl auch zu einem hochoffiziellen Termin passt. Ihr schwarzes Kleid endet über dem Knie und zeigt ihre Schultern. Darüber keinen Blazer. So wie Annick Girardin überhaupt in diesem Sommer oft ärmellose Kleider trug und offene Schuhe, Wedges mit Korkabsatz.

Was machen französischen Politikerinnen besser?

Für Wedges entschied sich an diesem heißen Tag auch Laura Flessel, die neue Sportministerin, dazu große Ohrringe, ein weites Streifenhemd, keinen Blazer. Marlène Schiappa, die Staatssekretärin für Frauenrechte, band ihre langen, lockigen Haare im neuen Job nicht etwa zurück. Und sie trug für den Weg über die Kieselsteine vor dem Élysée ebenfalls Schuhe, die ihre rot lackierten Zehen zeigen.

Man könnte noch mehr Beispiele gut angezogener Frauen auf diesem Foto aufzählen. So wie sich bei jedem neuen französischen Kabinett immer wieder die Frage stellt: Warum sehen diese Spitzenpolitikerinnen so unglaublich gut aus? So viel besser als in jedem anderen Land?

Klar, in diesem Land wird Mode als nationales Kulturgut verstanden. Aber andere Länder haben auch tolle Marken, die Italiener zum Beispiel oder die Briten. Aber das spiegelt sich nicht sonderlich markant im Auftritt der Amts- und Würdenträger wider. Und es ist ja nicht so, dass es sich alle französischen Ministerinnen erlauben könnten, zum wöchentlichen Treffen im Élysée-Palast mal in Chanel, mal in Dior zu erscheinen und beim dritten Termin Louis Vuitton zu tragen. Sie sehen eben gar nicht so aus, als wären sie von Kopf bis Fuß perfekt durchgestylt.

„Frauen bleiben immer die Anderen“

Sie haben vielmehr ein gutes Händchen. Und sie finden nichts dabei, High-Heels zu tragen. Oder eine besondere Tasche, wie Aurélie Filippetti, die ehemalige Kulturministerin, die damals mit einer orangefarbenen Lariat von Balenciaga zu Terminen erschien. Oder eben sehr wohl Chanel und Hermès wie die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, die genau weiß, wie Kleider wirken können. Sie muss keine Sorge haben, dass ausgerechnet die hochwertige Garderobe sie ihren Ruf kostet.

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