Schwules Paar heiratet: „Ich kann jetzt bald offiziell sagen: Das ist mein Mann“

Published 02/10/2017 in Gesellschaft, Menschen

Schwules Paar heiratet: „Ich kann jetzt bald offiziell sagen: Das ist mein Mann“
Heiraten heute: Ralf Giese und Martin Daume (rechts)

Heute heiratet in Frankfurt das erste homosexuelle Paar. 39 andere Paare wollen das auch. In anderen Städten bisher geringes Interesse an den neuen Möglichkeiten für Schwule und Lesben.

Für Martin Daume und seinen Partner Ralf Giese ist es heute so weit: Sie heiraten. Damit sind sie das erste gleichgeschlechtliche Paar, das sich nach dem neuen Gesetz der „Ehe für alle“ in Frankfurt das Jawort geben wird. „Wir sind aufgeregt, es gibt eben keine Probe dafür“, sagt der 48 Jahre alte Daume, der als Psychotherapeut in Frankfurt arbeitet. Trotzdem überwiege die Freude, endlich heiraten zu können. Mit Blick auf Giese fügt Daume hinzu: „Ich kann jetzt bald offiziell sagen: Das ist mein Mann. Das hätte ich vor dem 1.Oktober nicht tun können.“ In Frankfurt ist das Standesamt sonntags grundsätzlich geschlossen, daher findet die erste gleichgeschlechtliche Heirat erst heute statt.

Beschlossen hatte der Bundestag die Gesetzesänderung Ende Juni, jetzt tritt sie auch juristisch in Kraft. Bisher konnten homosexuelle und lesbische Paare nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Über die Jahre waren zwar schon Unterschiede im Miet-, Erb- und Steuerrecht abgeschafft worden, einzelne Benachteiligungen blieben aber bestehen. Bis zuletzt konnten Lebenspartner etwa nicht gemeinsam Kinder adoptieren.

40 Anträge auf Eheschließung

Allein in dieser Woche geben sich außer Daume und Giese zwei weitere Paare im Römer das Jawort- für das nächste halbe Jahr sind bisher 40 Anträge auf Eheschließung eingegangen. Paare, die bisher nur eine Lebenspartnerschaft geschlossen haben, können diese juristisch in eine Ehe umwandeln lassen. In Frankfurt haben sich dafür schon 124 Paare gemeldet. „Besonders die nächsten drei Monate sind stark frequentiert“, sagt eine Mitarbeiterin im Rathaus.

In Frankfurt ist das Interesse groß, in benachbarten Gemeinden gibt es dagegen wenig Andrang bei den Standesämtern. In Wiesbaden und Offenbach liegen noch keine Anträge gleichgeschlechtlicher Paare vor, die heiraten möchten. Auch sogenannte Umwandlungen wurden in Offenbach noch nicht beantragt, in Wiesbaden waren es immerhin 33. „Wir haben wirklich mit einem höheren Ansturm gerechnet“, berichtet eine Sprecherin der Stadt Wiesbaden. In Mainz wird nächste Woche ein homosexuelles Paar heiraten, 16 weitere werden bis zum Jahresende folgen. Außerdem möchten dort vier Paare ihre Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln lassen.

„Wir waren da sehr gerührt

Noch vor kurzem hätten sich Giese und Baume nicht vorstellen können, als erstes gleichgeschlechtliches Hochzeitspaar in die Frankfurter Stadtgeschichte einzugehen. Die beiden kennen sich erst seit gut einem halben Jahr, entschlossen sich aber schon im Mai dazu, eine eingetragene Lebenspartnerschaft zu schließen. Sie vereinbarten für Oktober einen Termin beim Standesamt. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht abzusehen, wie schnell die „Ehe für alle“ kommen sollte. Als der Bundestag im Juni den Beschluss fasste, dass auch homosexuelle Paare heiraten dürfen, freuten sich die beiden. „Es war endlich an der Zeit“, sagt Ralf Giese, der Krankenpfleger ist. Dann habe das Standesamt angerufen und ihnen mitgeteilt, dass der Termin für die Lebenspartnerschaft jetzt in einen Heiratstermin umgewandelt werden könne. „Wir waren da sehr gerührt, das war ein besonderer Moment“, sagt Giese, der heute mit der Trauung auch den Namen seines Mannes annehmen wird.

So ganz können Giese und Daume noch nicht fassen, was heute passiert. Selbst so kurz vor der Hochzeit fragen sie einander immer wieder ebenso erstaunt wie amüsiert: „Wann heiraten wir endlich?“

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