Lieferdienst: Rendezvous mit einer Drohne

Published 05/10/2017 in Unternehmen, Wirtschaft

Lieferdienst: Rendezvous mit einer Drohne
Diese Drohne liefert Kaffee.

Mercedes testet in Zürich einen Lieferdienst mit einem flinken Fluggerät. Kommt es vom Kurs ab, fällt es vom Himmel – aber mit Fallschirm.

Das unbekannte Flugobjekt jagt mit 70 Sachen herbei. Als es sich seinem programmierten Ziel nähert, bremst es geschwind ab und verlässt die Reiseflughöhe, die stets 80 Meter beträgt. Die vier Propeller machen ganz schön Radau. Der 1,20 Meter mal 1,20 Meter große Mini-Helikopter hört sich an wie ein ganzer Schwarm Hornissen, nur ist der Sound dunkler und tiefer. Die Drohne bleibt in der Luft stehen und nimmt Maß. Im Visier hat sie einen parkenden Mercedes-Transporter, der eifrig Infrarotsignale nach oben jagt. Das Gefährt ist in diesem Moment gleichsam das Mutterschiff, das schon sehnlichst auf die Ankunft des emsigen Fliegers wartet. Dieser braucht etwa 30 Sekunden Zeit für die präzise Ortung. Er will sichergehen, dass er sein Ziel nicht verfehlt.

Und tatsächlich: Es klappt. Wie von Geisterhand setzt der Quadrokopter sanft auf der Mitte des Autodachs auf, ohne dass irgendjemand einen Steuerknüppel oder einen Joystick betätigen müsste. Alles läuft automatisch. In ihrem Bauch hat die schlaue Drohne eine Packung Kaffee des Unternehmens „Black & Blaze“, einer Edelrösterei aus einem Vorort von Zürich. Zwischen der Bestellung dieser Ware via Smartphone und deren Luftlandung im acht Kilometer entfernten Zollikon vergingen keine zehn Minuten.

Zollikon liegt vor den Toren von Zürich und beherbergt eine Verkaufsniederlassung von Mercedes-Benz. Dort hat der Stuttgarter Autohersteller dieser Tage gezeigt, wie der Lieferdienst der Zukunft aussehen könnte. Was hat Daimler mit Pakete austragenden Drohnen am Hut? Der Konzern sieht sich in der Transportlogistik nicht mehr nur als Hersteller von Fahrzeugen, sondern als Anbieter ganzheitlicher Systemlösungen im Dienste des Kunden. Wie vor Jahresfrist angekündigt, investieren die Stuttgarter deshalb eine halbe Milliarde Euro in den Transporter der Zukunft. Als Teil dieser Offensive hat sich Daimler inzwischen an dem amerikanischen Drohnenpionier Matternet und dem estnischen Lieferroboterentwickler Starship Technologies beteiligt.

Lieferung noch am selben Tag

Matternet ist auch der Partner in dem Pilotprojekt in Zürich, bei dem erstmals überhaupt autonom fliegende (aber überwachte) Drohnen in einem städtischen Gebiet eingesetzt werden dürfen. In den nächsten zwei Wochen können Kunden des Schweizer Online-Marktplatzes Siroop, einer Tochtergesellschaft des Einzelhändlers Coop und des Telekomkonzerns Swisscom, ausgewählte Produkte bestellen, die ihnen dann mit Hilfe der Drohnen noch am selben Tag zugestellt werden. Die kleinen Transportflieger, die bis zu zwei Kilogramm tragen können, folgen vorbestimmten Routen und laden ihre Ware im Zürcher Stadtgebiet an fest definierten Rendezvous-Punkten auf den Dächern der Mercedes-Fahrzeuge ab. So können die Fahrer eine aktuelle Bestellung noch in ihren Zustellplan einflechten.

Den Endkunden direkt per Drohne zu beliefern ist nicht Teil der Tests, für die Zukunft aber natürlich eine hübsche Option – nur nicht für Mercedes, deren Transporter dann nicht mehr benötigt würden. Andererseits: Längst nicht alle Kunden haben einen Garten oder ein Hausdach, auf dem eine Drohne, beispielsweise mit dem begehrten neuen Mobiltelefon im Gepäck, problem- und gefahrlos landen kann.

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