Nur 4,4 Prozent Steuern: Facebook trickst Großbritannien aus

Published 05/10/2017 in Unternehmen, Wirtschaft

Nur 4,4 Prozent Steuern: Facebook trickst Großbritannien aus
Facebook hat in Großbritannien gut lachen. Noch.

Die Regierung in London wollte mit einer Strafsteuer legale Steuertricks von Konzernen unterbinden. Facebook hat darauf reagiert – die Steuerlast bleibt trotzdem bescheiden.

Zweieinhalb Jahre ist es her, dass der damalige britische Finanzminister George Osborne seine „Google-Steuer“ einführte – eine neuartige Strafsteuer, die nicht zuletzt auf internationale Technologiekonzerne wie Google, Facebook und Apple zielte, die mit legalen Bilanzierungstricks ihre Gewinne in Steueroasen verschieben. Und heute? Kassiert der britische Fiskus mittlerweile deutlich mehr Steuern von den Internetriesen? Zumindest was Facebook angeht, lautet die Antwort: Nicht wirklich.

Facebook hat zwar auf die angedrohte Strafsteuer reagiert und bucht inzwischen in Großbritannien erwirtschaftete Werbeerlöse verstärkt in der dortigen Landesgesellschaft Facebook UK – statt sie, wie zuvor praktiziert, über eine Schwestergesellschaft in Irland ins karibische Steuerparadies Cayman Islands zu schleusen, wo es keine Körperschaftssteuer gibt. Aber der jetzt im britischen Handelsregister veröffentlichte Jahresabschluss der Facebook UK Ltd. für 2016 zeigt: Die Steuerbelastung des Unternehmens ist weiterhin moderat.

Regulärer Körperschaftssteuersatz: 20 Prozent

Die Umsatzerlöse von Facebook UK haben sich zwar auf 842,4 Millionen Pfund (rund 946 Millionen Euro) gegenüber dem Vorjahr gut vervierfacht, was wohl maßgeblich auf die neue Buchungsmethode zurückzuführen ist. Vor Steuern weist die britische Facebook-Sparte einen Gewinn von 58,4 Millionen Pfund aus, statt eines Verlusts von 52,5 Millionen Pfund im Jahr 2015. Aber die Bruttosteuerzahlungen betragen lediglich 5,1 Millionen Pfund, was einem Steuersatz von 8,7 Prozent entspricht. Netto ist die Steuerlast mit 2,6 Millionen Pfund sogar noch deutlich niedriger – weil die Gesellschaft nämlich 21,9 Millionen Pfund für nicht näher erläuterte „weitere steuerlich absetzbare Aufwendungen“ geltend macht.

Facebook bezahlte damit 2016 auf seinen Gewinn in Großbritannien einen effektiven Steuersatz von 4,4 Prozent. Der reguläre Körperschaftssteuersatz im Vereinigten Königreich betrug dagegen 20 Prozent. Das Fazit: Die mit großen Worten angekündigte britische Strafsteuer gegen Steuertrickser-Unternehmen hat im Fall von Facebook zwar dazu geführt, dass das Unternehmen seine Bilanzierungspraktiken geändert hat. Aber die Steuerzahlungen sind weiterhin niedrig.

Die Debatte um die Besteuerung multinationaler Technologiekonzerne schwelt seit Jahren. Im September haben die Finanzminister von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien eine neue Initiative in der EU gestartet, die für eine angemessene Besteuerung von Unternehmen aus der Digitalwirtschaft sorgen soll. Die EU-Kommission verlangt außerdem, dass Irland und Luxemburg hohe Steuernachzahlungen von Apple und Amazon kassieren. Die Inselrepublik und das Großherzogtum sind bei Unternehmen beliebte Standorte für Steuersparmodelle.

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