Bewährungsstrafe für Ex-Agent: Rabatt für Werner Mauss

Published 05/10/2017 in Inland, Politik

Bewährungsstrafe für Ex-Agent: Rabatt für Werner Mauss
Stets verdeckt unterwegs: Der frühere Geheimagent und Privatdetektiv Werner Mauss am 5. Oktober vor der Urteilsverkündung im Landgericht Bochum.

Der legendäre Geheimagent hat nach Überzeugung des Bochumer Landgerichts Steuern in Millionenhöhe hinterzogen – ins Gefängnis muss Mauss trotzdem nicht.

Werner Mauss ist nun auch für das Landgericht Bochum ein überführter Steuerhinterzieher. Über Jahre hinweg hat der legendäre Privatagent nach Überzeugung der Richter den Fiskus um Millionen geprellt. Und doch nimmt das Verfahren nach mehr als einem Jahr Hauptverhandlung am Donnerstagmorgen bei der Urteilsverkündung noch einmal eine spektakuläre Wende. Denn der 77 Jahre alte Mauss, den manche Medien als deutschen James Bond beschrieben, kommt erstaunlich glimpflich davon: Die Haftstrafe von zwei Jahren setzt das Gericht zur Bewährung aus, zudem ordnete das Gericht die Zahlung von 200.000 Euro an zwei wohltätige Organisationen an. Eine Bewährung für das Hinterziehen von Steuern in Höhe von mehr als 13 Millionen Euro? Der Vorsitzende Richter weiß, dass das einer Erklärung bedarf.

Also holt Markus van den Hövel weit aus. Im ersten Teil seiner Urteilsbegründung klingt der Richter noch beinahe wie die Anklage. Die Staatsanwaltschaft war nach vier Jahre währenden Ermittlungen von Spezialisten der Steuerfahndung zur Überzeugung gelangt, dass Mauss mehrere seiner Tarnidentitäten nutzte, um ein kunstvolles Geflecht von Stiftungen, Nummernkonten und Versicherungen zunächst in Südamerika und später in Luxemburg aufzubauen. Sein Handeln sei in einem „besonders anstößigen und überdurchschnittlichen Maße“ von seinen wirtschaftlichen und steuerlichen Vorteilen geprägt gewesen, so die Staatsanwaltschaft, die deshalb sechs Jahre und drei Jahre Haft gefordert hatte. Auch für van den Hövels Kammer steht fest, dass es sich bei dem Geld – nicht wie von Mauss behauptet – um einen Fonds handelt, der für ihn vor mehr als drei Jahrzehnten von einem Geheimbund mehrerer Staaten namens „Westliche Sicherheitsbehörden“ eingerichtet wurde, damit Mauss unbürokratisch und in den Kampf gegen den internationalen Terror und Verbrechen treten könne. Das Gericht schließt sich also nicht Mauss‘ spannender Geheimbund-Geschichte, sondern der profanen Steuerhinterziehungs-These an.

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