Galaxienkollisionen: Kosmische Partner in gegenseitigem Bann

Published 11/08/2017 in Weltraum, Wissen

Galaxienkollisionen: Kosmische Partner in gegenseitigem Bann
Das Hubble Weltraumteleskop hat dieses aus zwei Aufnahmen zusammensetzte Bild eines sich vereinigenden Galaxienpaares aufgenommen.

Wenn Galaxien einander nahe kommen, beeinflussen sie sich gegenseitig auf spektakuläre Weise. Das Hubble Weltraumteleskop hat beeindruckende Bilder dieser kosmischen Begegnungen geliefert.

Immer wenn eine Galaxie auf eine andere trifft, nimmt deren individuelles Schicksal durch die gravitative Wechselwirkung mit dem Partner eine neue Wendung. Gasströme werden ausgetauscht, und die Entstehung neuer Sterne wird massiv angeregt. Zu beobachten ist dieser interaktive Prozess galaktischer Zweisamkeit beispielsweise gut 30 Millionen Lichtjahre von uns entfernt im Aufeinandertreffen der großen Balkenspiralgalaxie NGC 1512 und der kleinen benachbarten blauen Zwerggalaxie NGC 1510, wie diese aktuell veröffentlichte Aufnahme des Hubble Weltraumteleskop zeigt. Seit etwa 400 Millionen Jahren üben die beiden Systeme bereits einen prägenden Einfluss aufeinander aus. Die blaue Färbung der Zwerggalaxie weist auf die intensive Entstehung junger, heißer Sterne hin, die durch NGC 1512 angeregt wurde.

Doch auch die große Balkenspiralgalaxie – im Durchmesser etwas kleiner als unsere Milchstraße – spürt die Wirkung ihres kleinen Partners: Der sich an das Zentrum der Galaxie anschließende Balken, durch den Gas aus den äußeren Spiralarmen der Galaxie nach innen fließt, könnte zumindest teilweise durch die vom Gravitationsfeld der Zwerggalaxie ausgeübte Störung entstanden sein. Gleiches gilt für den inneren, bläulich leuchtenden Ring um das galaktische Zentrum der großen Galaxie, in dem ungewöhnlich viele junge, heiße Sterne gebildet werden. NGC 1512 erstreckt sich noch deutlich weiter, als in dieser Abbildung bei optischen Wellenlängen sichtbar ist. Gas der äußeren Spiralarme, das die Balkenspiralgalaxie vermutlich anderen Galaxien in der Vergangenheit entrissen hat, umfasst bereits jetzt die kleine Galaxie. Irgendwann werden die beiden Systeme, deren Zentren noch 45000 Lichtjahre voneinander entfernt sind, vollkommen verschmolzen sein. Nur noch vage Spuren werden dann darauf hinweisen, dass NGC 1510 irgendwann einmal eine eigenständige Zwerggalaxie gewesen ist, bevor sie in den Einfluss von NGC 1512 geriet.

Korrektur: Die Entfernung beider Galaxien in der Abbildung beträgt etwa 14 Kiloparsec (Ducci et al. 2014), das heißt rund 45000 Lichtjahre – hier war in der Ursprungsversion des Artikels eine Null verloren gegangen.

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