Und wo ist der Fernseher?

Published 09/08/2017 in Audio & Video, Technik & Motor

Und wo ist der Fernseher?
Und wo ist der Fernseher?

Was können Designer schon mit einem Fernseher anfangen? Neue Geräte zeigen: An Ideen herrscht kein Mangel.

Geht’s noch dünner? Noch nicht einmal vier Millimeter dick ist das jüngste Fernseher-Flaggschiff des koreanischen Herstellers LG, gebaut, um sich wie ein Wandbild nahtlos vor die Tapete zu setzen. Die Technikbasis für solche Konstrukte heißt Oled: Bildschirme nach diesem Prinzip lassen sich wie eine Folie fertigen, dicht an dicht mit selbstleuchtenden Bildpünktchen besetzt.

LG versorgt auch viele andere Gerätehersteller mit Großdisplays dieser Art, natürlich in zeitgemäßer Ultra-HD-Auflösung. Sie lassen sich seither ebenfalls von den Vorzügen der Filigrantechnik inspirieren und bauen Apparate mit dem Charme von Designikonen. Sonys Modell Bravia A1 zum Beispiel lehnt seine zarte Bildschirmscheibe gegen eine breite Stütze – so ähnlich wie eine Schultafel von anno dazumal. Das Oled-Modell von Loewe heißt Bild 9. Dieser Apparat schwebt zwischen den dünnen Pfosten eines stählernen Gestells und lässt so Standfestigkeit luftig und leicht erscheinen. Samsung verzichtet auf die Oled-Technik, schließt sich aber dennoch dem Designtrend an: The Frame, also Bilderrahmen, ist der Name einer Modellreihe, die, ähnlich wie der superdünne LG, Wände schmücken soll.

47929090 Sonys Bravia A1 zeigt nach vorn nichts als eine glatte Scheibe.Bilderstrecke

Mit allen vier Modellen haben wir uns näher beschäftigt, allen voran mit dem 65 Zoll großen Signature W7 von LG (Diagonale 165 Zentimeter). Sein Bildschirm ist flexibel wie eine Scheibe aus Plexiglas. Ein Stahlblech, zuvor an die Wand gedübelt, hält ihn mit kleinen Magnetelementen. Den nötigen Versorgungsstrom und die Bildsignale bezieht der Bildschirm über ein dünnes Flachband-Kabel, das sich sogar mit einer Tapete kaschieren lässt. Die Steuerelektronik samt Schnittstellen steckt im Gehäuse der zum Komplett-Set gehörenden Soundbar. Interessant ist auch die Ausstattung für extrem kontrastreiche HDR-Programme: Der Fernseher unterstützt drei verschiedene Standards, ist also rundum zukunftssicher.

Die Bildqualität des Flachschirms überwältigt. Satte, fein differenzierte Farben, die, wie bei Oled-Schirmen üblich, aus allen Blickwinkeln gleich kräftig erscheinen, prägen den Eindruck. Speziell HDR-Videos sehen auf dem Ultra-Flachmann grandios aus, mit gleißend hellen Details vor tiefschwarzem Hintergrund. Bemerkenswert ist auch, wie gut das Gerät selbst in sehr dunklen Bildpartien noch Details differenzieren kann.

Dazu passt der Ton. Die Soundbar liefert ihn mit kräftigem Volumen, und wenn die Videokonserve Kinosound in Dolby Atmos anbietet, intonieren ihn die Lautsprecher sogar dreidimensional: Zwei eingebaute Chassis strahlen gegen die Decke, der Zuhörer nimmt die Reflexionen als virtuelle Schallquellen wahr. Allerdings ist der Spaß auch teuer. Rund 8000 Euro verlangt der Händler für den High-End-Flachmann.

Sony setzt auf das Betriebssystem Android

Sonys Bravia A1 gibt es in zwei Größen, einer 55- und einer 65-Zoll-Variante (140 und 165 Zentimeter, Preise um 4000 und um 5500 Euro). Das Reizvolle der Sony-Lösung: Der dünne, gegen seine Stütze leicht nach hinten geneigte Oled-Bildschirm zeigt nach vorn nichts als eine glatte, randlose Fläche. Nicht einmal Lautsprecher stören diesen Eindruck. Denn hier funktioniert der Bildschirm selbst als Membran – jedenfalls im Bereich der hohen und mittleren Töne. Sechs auf seiner Rückseite montierte Treiberelemente versetzen ihn unsichtbar in Schwingung. Ein flacher Tieftöner für die Bässe steckt in der Stütze. Sony setzt auf das Betriebssystem Android, was einige Vorteile hat. So lassen sich wichtige Voreinstellungen über die Synchronisation mit einem Android-Smartphone erledigen, im Playstore gibt es eine mächtige Auswahl nützlicher Apps, und wer mag, funkt Videos von seinem mobilen Android-Gerät einfach via Google Cast auf den Großbildschirm.

Zur Hochform allerdings läuft Sonys Apparat – wir haben der 55-Zoll-Version in die Pixel geschaut – mit Videokonserven in HDR-Qualität auf. Enormer Kontrast, ein wahres Feuerwerk an prächtigen, nuancenreichen Farben, tiefes Schwarz, konstante Qualität aus allen Blickwinkeln – das sind die wichtigsten Stichworte im Testprotokoll. Der Ton zum Bild ist nicht ganz so spektakulär, klingt aber durchaus natürlich und wartet, dank Basskraft aus der Stütze, auch mit einem ordentlichen Tieftonfundament auf.

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