Hondasaurus rex

Published 10/08/2017 in Auto & Verkehr, Technik & Motor

Hondasaurus rex
CB 1100 EX (stark überarbeitet) und CB 1100 RS (neu) sind sich auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich.

Auf der roten Liste der Motorentiere ganz oben steht der luftgekühlte Reihenvierzylinder. Für den Erhalt der bedrohten Art kämpfen Hondas Aktivisten mit der CB 1100 RS und EX.

Bevor wir fortfahren mit dem Text, ist es erforderlich, dass alle Leser kurz auf die Knie gehen, sich verneigen und sagen: „Danke, Honda.“ Also, bitte alle zusammen: „Danke, Honda!“

Gut gemacht. Dank Honda bleibt vorerst erhalten, was aus der Motorradwelt schwer wegzudenken ist: der luftgekühlte Reihenvierzylinder. Unter allen Motorentypen zählt der Kühlrippen-Dino, der quer zum Fahrtwind in einem Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen hängt, vier chromglänzende Krümmer nach vorne streckt und in feinem Schwung zum Zwecke des Auspuffens nach hinten führt, zu den liebenswertesten. Doch hat die Evolution der Umweltnormen den Motoren dieser Bauart nach und nach die Luft genommen. Nur Honda hat sich der Mühe unterzogen, einen Reihenvierer ohne Wassermantel, Geschläuch und dicken Kühler über die Euro-4-Norm zu hieven. Mit viel Mühe sei das verbunden gewesen, hört man es bei Honda stöhnen.

Aber wer sonst hätte das tun sollen? 90 Traditions-PS rettet das große Aggregat in die Neuzeit herüber. Schon bei 7500 Umdrehungen schwingt es sich zur Höchstleistung auf und schaufelt aus 1140 Kubikzentimetern Hubraum 91 Newtonmeter Drehmoment (bei 5500/min) hervor. Das reicht. Wer der Meinung ist, das sei zu wenig, erinnere sich daran, was die epochale CB 750 von 1969, damals als geradezu unfassbar stark empfunden, aufbot: 67 PS, 60 Nm.

47946968 Ein Erkennungszeichen der EX sind die 18-Zoll-Speichenräder.Bilderstrecke

Mit jener CB 750, Großmutter aller Vierzylinder-Big-Bikes, stieß Honda vor knapp 50 Jahren das Tor zu einer ära auf. Mit der CB 1100 des Jahrgangs 2017 bewahren die Japaner das Erbe. Endlich tun sie das in einer entschlossenen Art und Weise, mit zwei Versionen dieser CB 1100 nämlich, die beide der momentan grassierenden Retro-Begeisterung gerecht werden. Bisher war das nicht so. Ausgerechnet Honda, Schöpfer manches Meilensteins der Motorradgeschichte, ging all die Jahre unerklärlich schüchtern mit dem Thema Klassik um.

CB 1100 EX (stark überarbeitet) und CB 1100 RS (neu) sind sich auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich. Im Detail allerdings gibt es gravierende Unterschiede, die zwei ganz verschiedene Charaktere erzeugen. Ein stimmiges Bild geben beide ab, die EX (Erkennungszeichen 18-Zoll-Speichenräder) im Siebziger-Jahre-Traditionslook, die RS (schwarze Gussräder im kleineren Format 17 Zoll) in der sportlicheren Pose des Café Racers mit jugendlicherer Ausstrahlung. Neugierige Passanten halten die EX (12 790 Euro) meist für einen Original-Oldtimer, die RS nicht. Die weist teurere Komponenten für Fahrwerk und Bremsanlage auf und kostet 400 Euro mehr. Die eine wie die andere verströmt das typische Honda-Aroma der Sorgfalt, der Passgenauigkeit und des Wohlfühlens vom ersten Moment an, was auch für Personen auf dem Rücksitz gilt.

Alles ist aufs genussvolle Erleben des Triebwerks ausgerichtet. Mit leicht verschobenen Ventilsteuerzeiten der inneren und äußeren Zylinder haben die Ingenieure seinem Klang eine knurrige Note beigegeben, im Gedenken an die alte 750er. Mit dunklem Bass hinterlegt die Vier-in-zwei-Auspuffanlage das Klangbild, ohne unhöflich laut zu sein. Das Kühlrippendenkmal zwängt sich unterm 16,8-Liter-Tank hervor, vom Sattel aus auch für den Fahrer sichtbar. Beim Anblick schräg von vorn trifft das Auge auf den Ölkühler unterm Lenkkopf, dessen Anwesenheit bei aller Kühlrippeneuphorie nicht verschwiegen werden soll. Per Ölkühlkreislauf verschafft sich der Motor Linderung an besonders heißen Zonen wie den Auslassventilen und den Zündkerzengewinden.

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