Was macht eigentlich einen guten Saft aus?

Published 24/07/2017 in Essen & Trinken, Stil

Was macht eigentlich einen guten Saft aus?
Damit fängt alles an – mit saftigen Früchten.

Seit hundert Jahren produziert die Familienkelterei van Nahmen Apfel- und andere Obstsäfte. Wir haben mit Juniorchef Peter van Nahmen über Streuobstwiesen, Sortenvielfalt und Getränke aus Konzentrat gesprochen – und Tomatensaft getrunken.

Herr van Nahmen, stört es Sie, wenn man Ihren Betrieb als Saftladen bezeichnet?

Nein, ganz und gar nicht. Denn der Begriff beschreibt ja ganz gut, was wir hier in Hamminkeln tun. Und das hat eine lange Tradition. Um die Bevölkerung im Pott mit Obst zu versorgen, wurden in den letzten 150 bis 200 Jahren hektarweise Streuobstwiesen angepflanzt – und von denen profitieren wir noch heute. Anfang der Siebziger hat es zwar viel Abholzung gegeben, weil man große, zusammenhängende landwirtschaftliche Flächen haben wollte. Heute ist das Bewusstsein für die Bedeutung der Streuobstwiesen Gott sei Dank wieder da, und darum haben wir als Betrieb auch ein eigenes Aufforstungsprogramm ins Leben gerufen.

Was ist denn das Besondere an Streuobstwiesen?

Also, als Obstsafthersteller muss ich zunächst einmal sagen: Die Früchte von diesen Wiesen sind extrem geschmacksintensiv – je älter die Bäume sind, desto mehr. Hinzu kommt der Naturschutzaspekt, denn Streuobstwiesen sind Kleinbiotope, die einer großen Vielfalt von Pflanzen- und Tierarten Platz bieten. Wir haben zusammen mit dem Naturschutzbund ein Aufpreis-System entwickelt, damit sich für unsere Vertragsbauern die Kultivierung dieser traditionellen Obstwiesen lohnt.

Das heißt, Sie zahlen denen mehr für ihre äpfel?

Ja. Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel für das Preisgefüge: Als Putin in der Ukraine-Krise vor ein paar Jahren die Grenzen dichtgemacht hat, waren mit einem Schlag viel zu viele äpfel auf dem europäischen Markt. Damals wurden für 100 Kilogramm 4,50 Euro gezahlt. Das war für die Streuobstwiesen-Bauern wie eine Aufforderung zur Abholzung. Wir zahlen natürlich auch keine astronomischen Preise, aber über die Jahre hinweg zwischen zwölf und 14 Euro je 100 Kilo. Bei unserem Streuobstwiesenprojekt sind es zwischen 16,50 und 20 Euro, und für sortenreine Lieferungen gibt es 22 bis 26 Euro. Das hat natürlich einen gewissen Lenkungseffekt und sorgt dafür, dass Apfelsorten wie die Rote Sternrenette oder Kaiser Wilhelm erhalten bleiben.

Und darum kostet eine Flasche von Ihnen dann auch 3,95 Euro?

Ganz genau. Lassen Sie uns doch mal unseren Apfelsaft von Streuobstwiesen probieren. Das ist so etwas wie der Gemischte Satz beim Wein, denn in den Obstwiesen sind die Sorten traditionell gemischt gepflanzt.

Wie viele Sorten sind in dem Saft?

Zwischen 50 und 80, so genau weiß ich das nicht. Es gibt ungefähr 150 Sorten, die wie hier am Niederrhein kennen, aber die kommen nicht alle in unseren Saft. Probieren Sie mal.

47507285 Van Nahmen auf einer seiner Streuobstwiesen

Hm, der hat eine deutliche Säure und schmeckt frisch. Die Süße ist dezent, und zum Schluss kann ich sogar ein paar Zitrus- und Minznoten entdecken. Zum Vergleich habe ich hier etwas aus dem Supermarkt mitgebracht: Bio-Apfelsaft naturtrüb von Edeka. Was sagen Sie dazu?

Er riecht sehr apfelig und schön fruchtig – das ist ja schon mal gut. Und im Mund ist er auch gar nicht so schlecht, denn da ist durchaus Säure zu spüren. Verglichen mit unserem Saft ist er viel opulenter und nicht so gradlinig.

Ja, und er ist vor allem viel süßer. Bei einem Wein würde man sagen, er ist nicht so elegant.

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