Jugend-Datenbank gegen Langzeitarbeitslosigkeit

Published 01/08/2017 in Wirtschaft, Wirtschaftspolitik

Jugend-Datenbank gegen Langzeitarbeitslosigkeit
Detlef Scheele ist seit ungefähr einem halben Jahr Chef der Bundesagentur für Arbeit.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist niedrig. Es gibt aber einen hartnäckigen Kern, der nur ganz langsam kleiner wird. Für sie hat der Arbeitsagentur-Chef eine neue Idee.

Die Blaupause steht, spätestens bis zum Jahresende sollen erste Projekte anlaufen: Nach beinahe einem halben Jahr im Amt demonstriert der neue Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit Entschlossenheit im Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit.

Detlef Scheele macht sich ein Problem zur Chefsache, das seit Jahren auf den Schultern des BA-Vorstands lastet. Er will in kleinem Maßstab demonstrieren, dass mit der notwendigen Entschiedenheit und ausreichend Geld beim Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit weitaus mehr möglich ist als es bisher den Anschein hatte.

Keiner darf verloren gehen

Das Gesamtprogramm habe er erst in der vergangenen Woche während eines Treffens mit den Chefs der BA-Regionaldirektionen in Offenbach vereinbart, berichtet der Nachfolger von Frank-Jürgen Weise. „Dafür haben wir jetzt Regionen ausgewählt. Wir haben die Chefs der Regionaldirektionen gebeten, besonders „belastete“ Regionen zu nennen. Das ist erfolgt, wir wären also startklar.“ Für exakte Daten und Teilnehmerzahlen sei es aber zu früh, macht eine Bundesagentur-Sprecherin klar.

Zentral ist für den Bundesagentur-Chef die Prävention: Scheele will Jugendliche mit einer Datenbank auf dem Weg von der Schule bis ins Berufsleben lückenlos begleiten. Keiner dürfe in diesem Lebensabschnitt verloren gehen, macht er immer wieder klar. Zu viele Jugendliche landeten derzeit noch als Ungelernte oder Angelernte perspektivlos in der Arbeitslosenstatistik.

Markt für schwer Vermittelbare

Zudem strebt Scheele eine engere Kooperation der Jobcenter etwa mit den kommunalen Jugendämtern an. In manchen Fällen müssten erst Lösungen für familiäre Probleme gefunden werden, bevor man an eine Job-Vermittlung denke könne. Helfen könnten eine Schuldnerberatung, eine Therapie oder einfach nur die Vermittlung eines Krippenplatzes. Das erfordere in den Jobcentern und Arbeitsagenturen aber ein grundlegendes Umdenken.

Testweise sollen Langzeitarbeitslose in einigen Regionen außerdem intensiver betreut werden. Betroffene müssten häufiger damit rechnen, zu Gesprächen eingeladen zu werden. Dabei sollen eingehend Talente analysiert und spezifische Fördermaßnahmen angeboten werden.

Sollte auch das nicht fruchten, plant Scheele einen sozialen Arbeitsmarkt: Für schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose will die Bundesagentur öffentlich geförderte Jobs anbieten – vor allem dort, wo sich Bundesländer an der Finanzierung der Stellen beteiligen. Das sei aber nur für wenige Betroffene geplant, stellt Scheele klar.

Gleichwohl warnt er vor überzogenen Erwartungen an sein Paket: „Wir haben Mittel im SGB II (Grundsicherung), aber die reichen nicht für größere Sprünge. Wir können aber im kleinen Rahmen zeigen, was man tun könnte, wenn man mehr Geld hätte. Wir werden deshalb in einigen ausgewählten Regionen starten. Da werden die Bäume nicht in den Himmel wachsen.“

Der Problemdruck ist jedenfalls groß – auch wenn die Zahl der Langzeitarbeitslosen binnen Jahresfrist um ungefähr 90.000 gesunken ist. Mit mehr als 900.000 Personen stellen die, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, immer noch einen großen Block in der Arbeitslosenstatistik – und trüben stets die Erfolgsmeldungen über eine sensationell niedrige Gesamtarbeitslosigkeit.

Der früher für die Arbeitsmarktpolitik zuständige BA-Vorstand Heinrich Alt brachte es unlängst auf den Punkt. „Der deutsche Sozialstaat bleibt noch immer unter seinen Möglichkeiten“, formulierte er in einer Analyse. Derzeit seien zu viele Mitarbeiter in den Jobcentern mit dem Erstellen von Hartz-IV-Bescheiden beschäftigt, zu wenige mit der Jobvermittlung. Die angebotene Förderung sei nicht ausreichend „zielgenau“, manche Jobcenter seien überfordert.

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