Springer-Chef verdient wohl mehr als alle Dax-Vorstände

Published 04/07/2017 in Unternehmen, Wirtschaft

Springer-Chef verdient wohl mehr als alle Dax-Vorstände
Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner

Der Axel-Springer-Konzern schweigt seit Jahren über das Gehalt für Mathias Döpfner. Aktionärsschützer haben es nun geschätzt – auf einen gewaltigen Betrag.

An der Spitze der Rangliste der bestverdienenden Vorstandsvorsitzenden aller 30 Dax-Konzerne hat in diesem Jahr SAP-Chef Bill McDermott mit einem Gehalt von rund 13,8 Millionen Euro erstmals Daimler-Chef Dieter Zetsche abgelöst. Noch mehr Geld verdiente wahrscheinlich der Vorstandsvorsitzende eines MDax-Konzerns: Zwar schweigt das Medienhaus Axel Springer über das Gehalt für Mathias Döpfner, nach Schätzung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München dürfte ihm im vergangenen Jahr mehr als 19 Millionen Euro gewährt worden sein.

Eine Sprecherin des Springer-Konzerns sagte in einer Reaktion, die Rechnung der Aktionärsschützer stehe auf „extrem wackeligen Füßen“. Döpfner und die drei weiteren Vorstände hätten im vergangenen Jahr gemeinsam 19,2 Millionen Euro verdient, zusätzlich sei ihnen zusammen eine langfristig variable Vergütung von 32,1 Millionen Euro gewährt worden. Dieser Betrag darf laut der Sprecherin nicht einem einzelnen Jahr zugeordnet werden, sondern müsse auf mehrere Jahre verteilt werden.

Die Autoren der Studie rechnen anders, sie ordnen die langfristig variable Vergütung dem vergangenen Jahr zu. „Wir gehen davon aus, dass dieser Betrag der Wahrheit recht nahe kommt“, sagte DSW-Pressesprecher Jürgen Kurz am Dienstag bei der Vorstellung einer Carlos Ghosn, der im vergangenen Jahr knapp 15,4 Millionen Euro verdient hat.

Klarheit über das tatsächliche Gehalt des Springer-Chefs dürfte es erst geben, wenn der Konzern sein Schweigen bricht. Bislang nutzt das Unternehmen eine sogenannte „Opt-out-Klausel“ im Gesetz. Danach kann die Hauptversammlung mit qualifizierter Mehrheit beschließen, dass die Gehälter nicht einzeln ausgewiesen werden. Nach Einschätzung der Aktionärsschützer dürfte damit aber bald Schluss sein, wenn die von der EU schon beschlossene Neufassung der Aktionärsrichtlinie in nationales Recht umgesetzt wird. Dann werde der Einzelausweis der Spitzengehälter für alle Pflicht. Die Klausel sei ein „Überbleibsel aus alten, intransparenten Zeiten“, deren „Tage zum Glück gezählt“ seien, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

47322062 Nennt die Verschwiegenheit des Springer-Konzerns ein „Überbleibsel aus alten, intransparenten Tagen“: DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler

Insgesamt sind die Managergehälter im vergangenen Jahr nur sehr moderat gestiegen. Der Anstieg lag laut der Studie im Dax bei lediglich 1,0 Prozent, während gleichzeitig die Bruttolöhne der Gesamtbevölkerung um 2,5 Prozent zulegten. Es sei bereits das zweite Jahr in Folge, in dem die Vorstandsgehälter langsamer als die Löhne stiegen, sagte Friedl. Zur Mäßigung habe beigetragen, dass in Deutschland seit Jahren intensiv über die Höhe der Mangergehälter debattiert werde. Das habe den Druck auf die Aufsichtsräte, die über die Höhe der Managervergütung bestimmen, deutlich erhöht.

Seit sieben Jahren können zudem die Aktionäre auf den Hauptversammlungen über die Managergehälter abstimmen. Ihren Unmut über zu hohe oder undurchsichtige Vergütungssysteme haben sie auch in diesem Jahr öfter gezeigt. Die Zahl der Gegenstimmen war in diesem Jahr so hoch wie nie zuvor. Die durchschnittliche Ablehnungsquote ist auf fast 34 Prozent gestiegen (siehe Grafik), es ist der dritte Anstieg in Folge. Von den acht Dax-Unternehmen, die ihre Aktionäre in diesem Jahr über das Vergütungssystem für ihre Spitzenmanager abstimmen ließen, fielen gleich drei durch: der Pharmakonzern Merck, die Rückversicherung Munich Re und das Medienunternehmen Pro Sieben Sat1. Die Ablehnung der Aktionäre ist aber rechtlich nicht bindend.

Infografik / Managergehälter: Gegenwind wird stärker

Dass die Furcht vor einer Abstimmungsniederlage dennoch die Aufsichtsräte diszipliniert, zeige der Fall der Deutschen Bank, sagte Tüngler. Nachdem die Aktionäre im vergangenen Jahr die Gehälter für die Spitzenmanager der Bank abgelehnt hatten, versprach der Aufsichtsrat Besserung, änderte das Vergütungssystem, stellte es in diesem Jahr abermals auf die Tagesordnung und wurde dafür mit den wenigsten Gegenstimmen in diesem Jahr belohnt. Negativ aufgefallen ist dagegen der Software-Konzern SAP. Im vergangenen Jahr schrammte das Unternehmen mit mehr als 45 Prozent Gegenstimmen nur knapp an einer Abstimmungsniederlage vorbei, dennoch änderte der Aufsichtsrat nichts.

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