Das Elektroauto kommt nicht allein

Published 16/06/2017 in Auto & Verkehr, Technik & Motor

Das Elektroauto kommt nicht allein
Wie beim E-Auto: Ein E-Lastwagen wird aufgeladen

Die öffentliche Diskussion dreht sich derzeit fast ausschließlich um das Elektroauto. Dabei setzen elektrische Nutzfahrzeuge – vom leichten Lastwagen bis zum Bus – schon längst zum Überholen an.

Manchmal dauern die Dinge einfach etwas länger. Die Elektromobilität ist ein Beispiel. Bei der Eisenbahn ist das Thema seit Jahrzehnten durch. Aber im straßengebundenen Verkehr – das dauert.

Jetzt scheint es so, dass sich das Elektroauto zumindest mittelfristig durchsetzen wird, und langsam, aber stetig, schleicht der elektrische (Stadt-)Bus ins öffentliche Leben. In London fahren mehr als 50 Busse ohne Verbrennungsmotor im öffentlichen Nahverkehr, das ist die größte Flotte in Europa. Und die niederländische Stadt Eindhoven setzt seit Dezember 2016 nur noch elektrische Busse ein, die dreiachsigen, knapp 20 Meter langen Riesen vom Hersteller VDL bieten zusammen rechnerisch sogar mehr Platz als die Londoner Armada, obwohl es nur 43 Einheiten sind. Dennoch steht der rein elektrische Bus erst am Anfang. Aber er ist weiter, als mancher vielleicht glaubt. In schon gut 20 deutschen Städten rollen Stromer über die Straßen, selbst auf Sylt. In Regensburg wird die Altstadt seit kurzem mit kleineren E-Bussen bedient. Diese kommen aus Italien, und, Zufall natürlich, schon am ersten Tag musste eines der fünf Fahrzeuge abgeschleppt werden.

47001130 In Eindhoven fahren seit Ende 2016 ausschließlich elektrische BusseBilderstrecke

Das steht exemplarisch für die allgemeinen Anlaufschwierigkeiten. Die Probleme sind die gleichen wie beim Auto. Ein elektrischer Bus ist wesentlich teurer als ein herkömmlicher, also 500 000 Euro bis 750 000 statt 250 000 bis 350 000 Euro je nach Größe, dazu müssen beträchtliche Summen in die Infrastruktur investiert werden. Die Verkehrsplaner müssen entscheiden, ob sie ihre Fahrzeuge unterwegs während der kurzen Stopps zwischenladen (Opportunity Charging) oder abends im Depot. Für beides sind große Energiemengen nötig, beim Zwischenladen kurzfristig 300 bis 400 kW, im Depot zwar längerfristig, doch könnte die schiere Anzahl einer reinen Elektroflotte einer größeren Stadt mit rund 100 bis 200 Einheiten etwa eine Herausforderung für das Stromnetz sein.

Für 150 bis 200 Kilometer Reichweite braucht man über den Daumen gepeilt, 200-kWh-Akkus. Zum Vergleich: Der größte Tesla hat 100 kWh. Will oder muss man weiter fahren, sind nach dem heutigen Stand der Technik Brennstoffzellen-Busse, die Wasserstoff tanken, aber auch rein elektrisch fahren, oder Hybrid-Anwendungen nötig. Der Daimler-Konzern, in Deutschland Marktführer bei den Bussen mit seinen Marken Mercedes-Benz und Setra, hat sich bisher mehr auf diesen Bereich konzentriert. Der Konzern hat umfangreiche Erfahrungen mit elektrischen Busantrieben gesammelt, auch mit diversen Brennstoffzellenprojekten. Eine Kleinserie von rund 100 Hybridbussen mit seriellem Antrieb kam und kommt in Städten wie Stuttgart, Dresden, Karlsruhe oder Hamburg zum Einsatz. Dieser kann eine kurze Strecke rein elektrisch fahren. Die von den anderen Herstellern angebotenen Busse sind oft Parallelhybride, die keinen rein elektrischen Antrieb zulassen, der Elektromotor unterstützt lediglich die Dieselmaschine. Der Parallelhybrid ist der „Zwitter“ – der serielle Hybrid erscheint als sinnvolle Brückentechnologie. Auch andere namhafte Hersteller wie Iveco setzen auf diese (Zwischen?-)Lösung. Die Italiener mit ihrer deutschen Dependance in Ulm haben in Dijon und Mailand große Flotten im Umlauf, mit 220 oder 120 Fahrzeugen.

Es fällt auf, dass beim elektrischen Bus viele eher unbekannte oder kleinere Hersteller ihr Glück versuchen. Heinz Friedrich, verantwortlich für den Bereich Mobility Solutions von Daimler Bus, erklärt das damit, dass sich viele Unternehmen aus dem vielfältigen Angebot der Zulieferer bedienen. Oft würden verfügbare Batterien und Antriebstechnologie zu Pilotflotten zusammengefügt, diese Flotten zeigten jedoch eine noch nicht ausreichende Verfügbarkeit der Fahrzeuge für einen professionellen Einsatz im täglichen Betrieb. Daimler Bus möchte einen elektrischen Bus auf die Straße bringen, der den Reifegrad eines Serienfahrzeuges hat und den Verkehrsbetrieben ohne Ausfallzeiten zur Verfügung steht. Die Vorstellung und Auslieferung des Fahrzeuges soll 2018 erfolgen.

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