Bärenstarkes Begeisterreiter-Bike

Published 15/06/2017 in Auto & Verkehr, Technik & Motor

Bärenstarkes Begeisterreiter-Bike
Ein Bike mit Biss: Ghost Hybride Kato 6 AL mit Shimano Steps E8000

Eine erste Begegnung mit Steps E 8000 von Shimano: Wie geht die intuitive Bedienung eines Elektromotors?

Nein, Liebe auf den ersten Blick war es wirklich nicht. Eher war es zunächst pure Begeisterung und aus der dann aufkeimend beständige Zuneigung, dies aber erst nach ein, zwei Ritten. Leider, leider: In einer Saison, in der sich wenigstens einige Hersteller trauen, zum Beispiel Giant, auch ein Mountainbike für den Mann farbenfroh zu gestalten, macht man bei Ghost wie schon seit Jahren gehabt weiter: mattes Schwarz als Hauptfarbe, besetzt mit neongrellen Applikationen – stinklangweilig. (Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Manche Kollegen faseln von „edlem Mattschwarz“, aber herrje, wenn die Neonsticker sich schon nach 50 Kilometer zu lösen beginnen?) Aber es sollte nun mal endlich der Steps-E 8000-Antrieb von Shimano sein. Daher wurde dem Hardtail Hybride Kato 6 AL des deutschen Herstellers Ghost (rund 3300 Euro) eine Chance gegeben, obwohl sein Aussehen nicht besonders gefiel.

Der 2016 vorgestellte E 8000-Antrieb wurde bei Shimano speziell fürs Mountainbike entwickelt. Es gibt mit dem System E 6000 noch eine Steps-Variante für City- und Trekking-Räder. Diese hat unter anderem ein größeres Display für die Lenker-Mitte als das E 8000-System. Im Kato wird der kleine, schmale, unaufdringlich leise tönende 250-Watt-Motor, der ein maximales Drehmoment von 70 Newtonmeter entwickelt, mit einem 504-Wattstunden-Akku kombiniert. Das reichte für die heimische 3:40-Runde über eine Distanz von 75 Kilometern mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20,2 km/h. Auf dieser Standardtour sind mehrfach längere Steigungen zwischen acht und zwölf Prozent zu überwinden.

Schade, dass man zum Display umgreifen muss

Die Bedienung von Steps E 8000 scheint auf den ersten Blick ziemlich genauso zu sein wie bei anderen Pedelec-Antrieben. Aber das täuscht. Hinter dem Lenker sitzt ein kleines Farbdisplay, das sich hervorragend in allen Beleuchtungssituationen ablesen lässt. Im Standard-Modus zeigt es den Energievorrat, die momentane Geschwindigkeit und den Unterstützungsmodus. Der wird zusammen mit der Unterstützungsstärke sowohl schriftlich als auch farbig grafisch angezeigt. Schade, dass man zu dem Display umgreifen muss, wenn man zu anderen Angaben wie Durchschnittsgeschwindigkeit oder Reichweite umschalten will. Es gibt drei Unterstützungsmodi, Eco, Trail und Boost, sowie nach Umschalten auf den Gehe-Modus eine auf die vorgeschriebenen 6-km/h-Grenze beschränkte Schiebehilfe.

Gewechselt wird zwischen den Unterstützungsgraden mit dem Firebolt-Schalter, den man auf der linken Lenkerseite mit dem Daumen bedient. Man hat also zwei Daumen-Schalthebel mit je zwei Tastern unter dem Lenker: Rechts für die elffache Kettenschaltung (11 bis 42 Zähne, Kettenblatt vorn 34 Zähne) hinten und links für die Motorsteuerung. Und darin besteht die Andersartigkeit der Bedienung, die Shimano intuitiv nennt. Statt diesen verschlissenen Begriff zu benutzen sollte man vielleicht sagen: Steps E 8000 fährt sich wie ein Mountainbike mit drei Kettenblättern, obwohl der Antrieb ja nur eines hat.

In der Ebene fährt man zunächst mal Eco

Dieser Eindruck hängt damit zusammen, dass die drei Modi Eco, Trail und Boost deutlich unterschiedlich stark anschieben. Das machen andere Antriebshersteller anders, denn viele Kunden mögen es nicht, wenn die Unterstützung mit deutlichen Sprüngen den Grad ihrer Wirksamkeit ändert. Aber genau das ist es, womit Shimanos MTB-Antrieb begeistern kann. In der Ebene fährt man zunächst mal Eco: Das ist kein lahmer, mühsam in die Gänge kommender Sparmodus, sondern man ist vom ersten Moment an unterstützt durchaus zügig unterwegs. Erreicht man die Grenzgeschwindigkeit der Unterstützung bei 25 km/h, schaltet Steps E 8000 unmissverständlich ab. Manche sagen „unkultiviert“ dazu, aber man kann es auch als klare Ansage verstehen. Nimmt man dann die Beinarbeit ein wenig zurück, weiß die Motorsteuerung manchmal nicht so genau, ab wann sie sich wieder einmischen soll, und kann sich nicht so recht zwischen Unterstützen und Nichtunterstützen entscheiden.

Jetzt kommt eine erste mäßige Steigung, und deutlich kräftiger schiebt nach einem Tastendruck links der Modus Trail an. Richtig bärig geht dann der Antrieb zu Werke, wenn man auf Boost umschaltet. Obwohl Steps E 8000 nicht der stärkste Motor des Marktes ist, empfindet man die Unterstützung subjektiv als besonders kräftig. Nicht erschrecken, wenn öfter mal Fehlermeldung 13 im Display erscheint: Das System mag es nicht, wenn der Motor mit belastetem Pedal eingeschaltet wird.

Bis auf die Federgabel SR Suntour AION 35 SF 17 RC DS mit 130 Millimeter Federweg, die vom Lenker aus höhenverstellbare Sattelstütze Kind Shock Cruxi und die Felgen Rodi Black Jack 40 für die Schwalbe-Reifen der Dimension 27,5+ sind die Komponenten des Kato 6 ein Mix von Shimano-Teilen: nicht das Teuerste, aber solider Durchschnitt. Noch eine Kuriosität dieses perfekt passenden, höchst wendigen und wunderbar agilen Mountainbikes: Laut Aufkleber ist das gefahrene Rad der Größe L für Menschen mit 25 Zentimeter mehr Körperlänge als der eigenen gedacht. Aber es passt doch so prima. Ja, meinte der Händler auf Rückfrage, die fielen klein aus. Größe S habe er erst gar nicht geordert.

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