Die Mühlen der Zeit

Published 15/06/2017 in Auto & Verkehr, Technik & Motor

Die Mühlen der Zeit
Lagerware: In Hérimoncourt, ganz in der Nähe des Peugeot-Stammwerks, stapeln sich fein klimatisiert alte und ältere Peugeots.

Peugeot übernimmt Opel. Beide haben einiges gemein in ihrer Entstehungsgeschichte. Das zeigt ein Blick in die Vergangenheit der Löwenmarke, die nicht nur Autos hervorgebracht hat.

Peugeot ist der älteste noch existierende Automobilbauer der Welt. Dass die Historie einer Firma gerade in unserer immer schnelllebigeren Zeit von besonderer Bedeutung ist, darüber herrscht nicht nur in der Automobilbranche Einigkeit. Der Gemeinplatz „ohne Vergangenheit keine Zukunft“ mag etwas abgedroschen sein, dafür ist er umso wahrer. Nahezu jeder Hersteller pflegt seine Herkunft, Porsche und Mercedes-Benz haben schöne eigene Museen, der Volkswagen-Konzern hat gleich eine ganze Stadt gebaut. Als älteste Automarke und als seit 1810 existierendes Unternehmen kann, will und darf sich Peugeot – oder genauer, der PSA-Konzern – natürlich nicht lumpen lassen.

So pflegen mehrere Museen das kulturelle Erbe: Die großen und eleganten Ausstellungen in Sochaux, dem Stammwerk von Peugeot-Auto, und die in Poissy bei Paris gibt es schon seit den achtziger Jahren. Während es in Sochaux ausschließlich um die Marke Peugeot mit allen ihren Verästelungen geht, sind im Caapy, der Collection de l’Aventure Automobile, Poissy, auch andere, vergangene französische Marken zu sehen. 15 Jahre jung ist das Citroën-Museum in Aulnay-sous-Bois bei Paris, hier wird schon die rauschende Geburtstagsparty vom 19. bis zum 21. Juli 2019 vorbereitet. Die Marke mit dem Doppelwinkel wird dann 100 Jahre alt.

46905236 Vorreiter: Schon in den 1930er Jahren baute Peugeot ein Cabrio mit Stahl-Klappdach.Bilderstrecke

Alle historischen Aktivitäten der Gruppe koordiniert Xavier Crespin, der sich auf eine Sisyphosarbeit eingelassen hat. Denn selbstverständlich gehören zur Geschichte nicht nur die Produkte, sondern alles andere, was mit dem Entstehen und Verkaufen verbunden ist oder war: Werkzeuge, Maschinen, Prospekte, Prototypen, Konstruktionspläne, Werbefilme, die Liste ist endlos. Die Gelegenheit, die sich dadurch ergibt, dass die PSA-Zentrale innerhalb von Paris umzieht, nutzt das Unternehmen jetzt, um alle Firmenarchive an einem Ort zusammenzulegen. Dafür wurde der geschichtsträchtigste Ort ausgesucht, den PSA im Jahr 2017 bieten kann: die Peugeot-Liegenschaften in Hérimoncourt, nahe Sochaux. Hier wird seit 1830 produziert, und neben den Archiven wird auf einem kleinen Teil des Geländes auch heute noch produktiv gearbeitet: Es werden Motoren überholt.

Letztlich dreht sich alles um die Autos

Sonst aber sind die historischen Hallen längst umgewidmet. Schon jetzt beherbergen sie das drittgrößte Archiv Frankreichs. Doch es geht nicht nur um das Sammeln und Verwahren, alle Unterlagen sollen digitalisiert werden. Für das Team von Crespin, das 40 Köpfe zählt, ist das eine Arbeit von Jahren, wenn nicht Jahrzehnten.

Das, um was sich letztlich alles dreht, sind und bleiben natürlich die Autos. Fahrräder und motorisierte Zweiräder unter dem Namen Peugeot gibt es allerdings auch noch. Diese können schlecht digitalisiert werden. Vor Ort stehen in einem klimatisierten Lager rund 500 Peugeot-Fahrzeuge, dreifach gestapelt. Insgesamt besitzt PSA ungefähr 1400 „klassische“ Autos, diejenigen eingerechnet, die in den Museen zu sehen sind. Das Lager in Hérimoncourt dient auch dazu, das Museum im nahen Sochaux mit „neuen“ Exponaten zu versorgen, so dass die Besucher nicht immer das Gleiche sehen müssen. Derzeit ist in Sochaux eine Sonderausstellung zum Thema „30 Jahre Peugeot 405“ zu sehen. Alle 405er kamen aus dem nahen Lager. Öffentlich zugänglich ist Hérimoncourt nicht, wer ein berechtigtes Interesse vorweisen kann, darf allerdings in den Archiven arbeiten.

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