Historischer Durchbruch

Published 13/06/2017 in Gesellschaft, Menschen

Historischer Durchbruch
Die letzten Meter des Tunnels werden durchbrochen – ein wichtiger Bauabschnitt ist damit beendet

Im Emscher-Umbau wird ein wichtiger Bauabschnitt beendet. Für das Ruhrgebiet bedeutet der Fortschritt des Riesenprojekts die hygienische Erlösung: Es steht kurz davor, eine zivilisierte Kanalisation zu bekommen.

Für die beiden Tunnelbohrmaschinen des Abwasserkanals Emscher (AKE) ist es am frühen Montagnachmittag in Oberhausen-Biefang nur noch eine kleine Strecke, dann durchbrechen sie in 40 Meter Tiefe mit mahlendem Tosen die Beton-Spundwand. Für das Ruhrgebiet aber ist die sogenannte Zieleinfahrt ein historischer Schritt. Nun kann die Schlussphase des Umbaus der Emscher beginnen.

Wie kein anderes Projekt verändert dieser Umbau das Ruhrgebiet. Denn endlich wird die größte Industrieregion Europas eine zeitgemäße Kanalisation bekommen. Bis 2020 will die Emschergenossenschaft unterirdische Kanäle auf rund 400 Kilometer Länge im Ruhrgebiet verlegt haben. Dann werden die Emscher und ihre Nebenflüsse nirgendwo mehr stinkende Kloaken sein. Nur noch sauberes Fluss- und Regenwasser wird in ihnen fließen.

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Emscher-Renaturierung: In der Mitte entsteht ein Fluss

Kernstück des Emscher-Umbaus ist der AKE, der 51 Kilometer von Dortmund bis kurz vor die Emscher-Mündung in den Rhein bei Dinslaken verläuft und in seinen parallel liegenden Röhren bald die Abwasserfluten von 1,8 Millionen Menschen aus dem nördlichen Ruhrgebiet sammeln wird. Auf dem Weg gen Westen muss das Abwasser in drei gigantischen Pumpwerken gehoben werden – das letzte soll in ebenjener Zielgrube entstehen, in der am Montag die beiden Bohrmaschinen angekommen sind.

„Der Abwasserkanal Emscher ist die Voraussetzung dafür, dass wir den zentralen Fluss des Ruhrgebiets vom Schmutz befreien und revitalisieren können“, sagt Uli Paetzel, der Vorstandsvorsitzende der Emschergenossenschaft. Ist alles fertig, erstreckt sich auf der Länge von 350 Kilometern eine neue, alte Flusslandschaft, die Großstädte wie Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen, Duisburg und eben Oberhausen miteinander verbindet.

Herkulesaufgabe Emscher

Der rund 5,3 Milliarden Euro teure Emscher-Umbau läuft schon seit 1992 und ist das zweite Generationenprojekt der Genossenschaft. Als sie 1899 gegründet wurde, stand sie vor der Herkulesaufgabe, das damalige Emscher-Problem zu lösen. Immer mehr Abwässer der wuchernden Ruhrgebietsstädte sowie das Grubenwasser wurden in den träge vor sich hin mäandernden Fluss geleitet. Durch den Bergbau kam es zu großflächigen Senkungen, weshalb die Emscher nicht mehr abfließen konnte. Schnell breiteten sich Krankheiten wie Typhus, Cholera oder Malaria aus. Also begradigte die Genossenschaft den Fluss und legte ihn in Betonschalen.

Der radikale Eingriff war eine hygienepraktische Großtat. Doch die Emscher war nun nur noch ein stinkendes „Köttelbecke“ wie die Leute im Ruhrgebiet sagen. Erst als mit dem Bergbau auch die Zeit der Bergsenkungen zu Ende war, konnte mit dem Bau unterirdischer Kanäle begonnen werden.

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