Play mobil

Published 08/06/2017 in Auto & Verkehr, Technik & Motor

Play mobil
Wer hat die Schnauze vorn beim Schönheitswettbewerb?

Die exklusivste Schönheitskonkurrenz für Automobile findet alljährlich am Comer See statt. Eine Klasse für sich bildeten beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este diesmal die „Playboy’s Toys“.

Gäbe es heute noch Playboys von der Sorte, die in den sechziger Jahren mit dem Champagnerglas in der Hand Lässigkeit und Lebenskunst demonstrierten, mit maskulinem Charme und einem Fingerschnipsen Frauen herumkriegten, Klatschmagazine und den Jetset mit ihrer Anwesenheit beehrten, also Männer, die keine Zeit zum Arbeiten hatten und wussten, wie man mit der Kippe im Mundwinkel gepflegt einen draufmacht – welche Autos würden sie heute wohl fahren? Ein ressourcenschonendes Hybrid-Vehikel? Einen emissionsfreien Tesla?

Quälen wir uns nicht mit solchen Gedanken und betrachten in aller Ruhe die Bilder auf dieser Seite. Welchem dieser Wagen würden wir unsere Stimme geben? Dem weißen 365 California von 1967 mit seiner einmaligen Kombination von feststehenden Haupt- und klappbaren Zusatzscheinwerfern, dem ersten Ferrari mit Servolenkung, bloß 14 Mal gebaut? Der 66er Shelby Cobra mit 7-Liter-Big-Block im schmalen Leichtmetallkleid, einer seltenen Variante, von der nur etwa zehn Exemplare überlebten? Dem 62er Aston Martin DB4 GT Zagato, Playboy-Auto wie aus dem Bilderbuch? Dem gelbgrünen Geschoss oben rechts, welches der einzige Ferrari 365 GT/4 Berlinetta Boxer ist, der je in dieser Farbe ausgeliefert wurde (die 1976 jemand schön gefunden haben muss)? Oder dem ältesten hier, dem Ferrari 250 GT Spyder California Prototipo von 1957 in unangreifbarem Rot?

46840211 Schmale Hüfte, breites Grinsen: Shelby Cobra mit 7-Liter-V8 und 425 PSBilderstrecke

Der schwarze Ghia L 6.4 von 1962, damals fast so teuer wie ein Rolls-Royce, war in Billy Wilders Hollywood-Komödie „Küss mich, Dummkopf“ zu sehen. Sein Erstbesitzer hieß Dean Martin. Offenbar hatte der Schauspieler nicht nur Sinn für einen guten Tropfen, sondern auch für praktische Dinge: An der Unterseite des Fahrersitzes ließ er ein Pistolenholster anbringen für den Schnellzugriff aufs Schießeisen.

Abgehobener Schönheitswettbewerb automobiler Raritäten

Den zwölfzylindrigen Lamborghini Miura P 400 in der Lackierung „Rosso Speciale“ mit grünen Rallyestreifen ließ sich Adrian Conan Doyle, vermögender Sohn des Sherlock-Holmes-Autors Arthur Conan Doyle, 1968 vor sein Schloss in der Schweiz liefern. Doyle junior galt als Experte im Playboy-Dasein und Vermögenausgeben, hatte aber nur zwei Jahre etwas von seinem Miura, denn er starb 1970 im Alter von 59. Seitdem stand das Fahrzeug still, bis gerade rechtzeitig zum Concorso D’Eleganza Villa d’Este 2017 die Restaurierung abgeschlossen wurde.

Diese Zusammenkunft auf dem Parkgelände des Grand-Hotels Villa d’Este am Ufer des Comer Sees ist etwas, das jeder, der ein wenig Benzin oder Champagner im Blut hat, einmal in seinem Leben gesehen haben sollte: ein vollkommen abgehobener Schönheitswettbewerb automobiler Raritäten. So exklusiv, dass das Auswahlkomitee alljährlich insgesamt nur rund 50 Fahrzeuge verschiedener Kategorien zulässt. In der Rubrik der „Playboy’s Toys“ waren es die hier gezeigten Sieben. Welchem der Glorreichen hätten Sie Ihre Stimme gegeben? Die Jury kürte den Miura zum Sieger der Playboy-Mobile, wobei es wirklich weh tut, die anderen als Verlierer zu bezeichnen. Ihre Schönheit hat unter dem fortscheitenden Alter keineswegs gelitten. Im Gegensatz zu manchem Playboy.

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