Siegt der FC Germany?

Published 07/06/2017 in Mode & Design, Stil

Siegt der FC Germany?
Show von Antonia Goy im Berliner Mode Salon bei der Modewoche 2017.

Der Großsponsor Mercedes-Benz hat den Vertrag mit dem Veranstalter der Berliner Modewoche nicht verlängert. Der Szene könnte das helfen.

Die Geschichte der Berliner Modewoche ist kurz – aber die zehn Jahre wirken wie eine Ewigkeit. Mal fand sie am Bebelplatz statt, mal auf der Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor, mal im Erika-Hess-Eisstadion im Wedding, nun im alten Kaufhaus Jandorf an der Brunnenstraße: Schon die wechselvolle Reihe der Veranstaltungsorte zeigt, dass die Mode ihren Platz in der Mitte der Berliner Gesellschaft noch nicht gefunden hat.

Das lag auch am Veranstalter. Die amerikanische Vermarktungsagentur IMG weiß zwar unter anderem von der New York Fashion Week, wie man Events organisiert. Aber die Designer, die im Modezelt im Januar und im Juli ihre Kollektionen präsentieren dürfen, wurden oft nach den Prinzipien Zufall oder Zahlungsfähigkeit ausgesucht. Kein Wunder, dass sich der Fashion Council Germany (FCG) mit dem „Berliner Modesalon“ innerhalb von nur wenigen Saisons als stilprägende Instanz etablieren konnte.

„Wir stehen zu Berlin als Mode-Standort“

Insofern enthält die Nachricht vom Mittwochnachmittag, dass der Großsponsor Mercedes-Benz den Vertrag mit dem Veranstalter IMG nicht verlängert, eine gute Botschaft: Nun können die Teilnehmer auch nach Kriterien wie Leistung oder Stil ausgesucht werden. Wenn die Mode für Frühjahr und Sommer 2018 am Abend des 7. Juli über die Bühne gegangen ist, wird es jedenfalls um einen neuen Trend gehen: Wer bestimmt in Zukunft, wer sich wo, wann und wie dem großen Publikum zeigen darf?

44293959 Die Herbst-/Winter-Kollektion von Perret Schaad auf der Berliner Modewoche

Am Geld soll es nicht liegen. Mercedes-Benz, bisher schon Hauptsponsor, bleibt dabei: „Wir stehen zu Berlin als Mode-Standort“, heißt es in Stuttgart. Diese Schwaben sollten in der Hauptstadt nun wirklich willkommen sein. Denn sie garantieren, dass man auch in Zukunft öffentlichkeitsträchtige Anlässe findet – die neben den gleichzeitig stattfindenden großen Fachmessen wie Premium, Panorama oder Show & Order für die Strahlkraft der deutschen Mode unabdingbar sind.

Marcus Kurz könnte zum Großveranstalter werden

Der Autokonzern, der schon seit mehr als zwei Jahrzehnten Modewochen unterstützt (pro Jahr mehr als 60 Events und Plattformen in mehr als 40 Ländern), verbindet seine Marke auf diese Weise auch außerhalb der Autowelt mit den Themen Design und Trends. Seit kurzem ist Mercedes-Benz Mitglied und Partner beim FC Germany, wie der Fashion Council Germany von den wenigen Fußballfans in der Szene spaßeshalber genannt wird. Daher wird der Konzern wohl in Berlin nicht selbst zum Veranstalter. Laut Mitteilung vom Mittwoch „werden der FCG und Mercedes-Benz gemeinsam neue Initiativen entwickeln“.

Das heißt auf Deutsch: Marcus Kurz, FCG-Mitgründer und Inhaber der Berliner Kreativagentur Nowadays, könnte von Januar an zum Großveranstalter werden. Der Modemanager, der schon zahlreiche Schauen und Präsentationen abgewickelt und mit dem „Modesalon“ im Kronprinzenpalais eine wirkmächtige Präsentationsform aufgebaut hat, ist zwar am Mittwoch nicht für eine Bestätigung zu erreichen. Aber sonst bleibt kaum jemand übrig.

Der Berliner Szene könnte es helfen. Bisher machen den Jungdesignern viele Umstände zu schaffen: ausländische Konkurrenz, grassierendes Boutiquensterben, geringe Umsätze, wurschtige Firmenpolitik. Nun könnte mit einem Veranstalter, der stilsicher ist (auch dank der deutschen „Vogue“ als FCG-Mitgründer), eine neue Aufbruchstimmung entstehen. Mit dem Abschied von IMG sind die Zeiten zugepflasterter Sponsorenwände, zweifelhafter Stars in der ersten Reihe und gestriger Mode auf dem Laufsteg hoffentlich vorbei. Nun könnten auch junge Marken, die Mercedes-Benz ausdrücklich fördern möchte, ihren Auftritt haben. Dem Ruf der Mode in Berlin würde es helfen.

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