Ein Feiertag für Uniper-Anleger

Published 09/06/2017 in Aktien, Finanzen

Ein Feiertag für Uniper-Anleger
Alles im Blick: Kontrollraum einer Kohle-Mine von Uniper in Frankreich

Seit der Erstnotierung ist der Aktienkurs der Eon-Abspaltung um 75 Prozent gestiegen. Das hat mit Übernahmespekulationen zu tun, in denen auch RWE genannt wird.

Auf der ersten Hauptversammlung von Uniper gab es für die Aktionäre des Düsseldorfer Energieversorgers nicht viel zu meckern. Trotz eines Milliardenverlustes im vorigen Jahr hat die Eon-Abspaltung ihrem Namen an der Börse alle Ehre gemacht. Nach der Erstnotierung Mitte September 2016 ist der Kurs um mehr als 75 Prozent gestiegen, obendrauf gibt es eine Dividende von 55 Cent je Aktie. „Uniper hat es den Kritikern und Skeptikern gezeigt“, lobte Thomas Deser von Union Investment die „unique performance“ (einzigartige Leistung), von der sich die Unternehmensbezeichnung ableitet. Die anfangs oft als „Resterampe“ abgestempelte Gesellschaft, in der Eon seine konventionellen Kraftwerke und den Energiehandel gebündelt hat, stellt den früheren Mutterkonzern an der Börse weit in den Schatten.

„Und die Investoren trauen uns noch mehr zu, auch weil sich das notwendige Verständnis für unser Geschäft deutlich verbessert hat“, machte der Vorstandsvorsitzende Klaus Schäfer Hoffnung auf weiterhin gute Zeiten. Am Kapitalmarkt bekomme Uniper „immer wieder gespiegelt, dass der Wert und das Potential unseres Portfolios zunehmend geschätzt werden“. Schäfers Einordnung war eine hübsche Umschreibung der Übernahmespekulationen, die in den vergangenen Wochen ganz wesentlich zum Kursfeuerwerk beigetragen haben. Noch ist Eon mit 47 Prozent beteiligt. Doch von 2018 an, wenn steuerlich bedingte Haltefristen auslaufen, will sich die Muttergesellschaft zurückziehen. „Könnte die erste Hauptversammlung von Uniper auch schon die letzte sein?“, fragte deshalb Fondsmanager Deser.

Zuletzt war dem finnischen Versorger Fortum Interesse nachgesagt worden. Ebenso wie Uniper ist Fortum stark in Russland aktiv, so dass sich die Geschäfte gut ergänzen könnten. Auch der Essener Konkurrent RWE wird als möglicher Käufer gehandelt. Beim aktuellen Börsenwert von 6,5 Milliarden Euro wäre Uniper zwar ein dicker Brocken, doch die möglichen Erlöse aus einem Verkauf der RWE-Anteile an der Ökostromgesellschaft Innogy wecken Phantasien, erst recht in Verbindung mit den nun absehbaren Milliarden aus der Rückerstattung der Kernbrennstoffsteuer. RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz schließt jedenfalls nichts aus. Alle Optionen würden geprüft. „Und alle heißt alle“, hatte er Gerüchte über ein Interesse an Uniper kommentiert.

Markt rechnet mit einer Erholung der Strompreise

Dass der Versorger solche Begehrlichkeiten weckt, hat damit zu tun, dass der Markt mit einer Erholung der Strompreise rechnet, wenn in Deutschland bis 2022 die letzten Atomkraftwerke und einige Braunkohlemeiler vom Netz gehen. „Uniper wird am Kapitalmarkt zu einer Wette auf steigende Rohstoffpreise und steigende Strompreise“, meinte Deser von Union Investment. Natürlich wartete das Publikum in der Essener Gruga-Halle vergeblich darauf, dass sich Schäfer konkret zu den Spekulationen äußerte. Er konzentrierte sich lieber aufs Geschäft und die Aussichten für das laufende Jahr, das für Uniper gut begonnen habe, unter anderem mit dem Verkauf der russischen Gasfeldbeteiligung Yushno Russkoje, der einen kräftigen Abbau des Schuldenbergs ermögliche. Weil es auch operativ stabil laufe, könnten die Anleger auf die angekündigte Anhebung ihrer Dividende um 15 Prozent vertrauen, bekräftigte Schäfer.

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Alle Aktionärsvertreter konnte er damit freilich nicht überzeugen. Winfried Mathes von der Deka Investment warf die Frage auf, wie Uniper seine Gewinnziele erreichen solle, wenn es mit dem Sparprogramm „Voyager“ nicht vorangehe. Damit sollen die Kosten bis Ende 2018 um jährlich rund 400 Millionen Euro gekappt werden. Davon ist bisher erst die Hälfte erreicht worden, und die Verhandlungen mit der Gewerkschaft über weitere Kostensenkungen stecken fest. Anlass zu Kritik lieferte auch der Streit mit RWE um den Bezugsvertrag für Strom aus dem neuen Kohlekraftwerk, das Uniper in Datteln errichtet. RWE hat den vor Jahren geschlossenen Vertrag gekündigt und pocht auf Preisnachlässe, wie sie angeblich auch schon die Deutsche Bahn als zweiter Großkunde für Datteln bekommen hat. Andere Aktionärsvertreter sorgen sich um das Geschäft in Russland. Es liefere mehr als die Hälfte des operativen Ergebnisses, leide aber, wie Deser anmerkte, zunehmend unter der Rubelschwäche.

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