Reden gegen die Isolation

Published 07/06/2017 in Ausland, Politik

Reden gegen die Isolation
Partner: Saudi-Arabiens Außenminister Al Dschubeir und Sigmar Gabriel

Sigmar Gabriel hält eine Entspannung in der Qatar-Krise für fundamental wichtig für Deutschland – und liefert die Gründe dafür beim Treffen mit seinem saudischen Amtskollegen. Seine Argumente sind aber längst nicht nur politischer Natur.

Adel al Dschubeir ist ein zurückhaltend wirkender Mann, er spricht mit sanfter Stimme. Doch die Botschaft, die der saudische Außenminister am Mittwoch im Auswärtigen Amt in Berlin vortrug, war scharf. „Wir erwarten, dass Qatar auf unsere Forderungen eingeht und seine Unterstützung für extremistische Organisationen einstellt“, sagte der 55 Jahre alte Diplomat. Tags zuvor hatte eine Koalition arabischer Staaten, von Riad geführt, das Golf-Emirat mit einem Handelsboykott und einer Luftblockade überzogen. Die Grenzen wurden geschlossen, die Flugverbindungen wurden eingestellt, selbst das Umsteigen wurde am Mittwoch von den Vereinigten Arabischen Emiraten auf ihren Flughäfen untersagt. Auch der Import von Waren, vor allem Lebensmitteln, wurde gestoppt. In Qatar, das 90 Prozent seiner Waren importiert, davon rund 40 Prozent seiner Lebensmittel aus Saudi-Arabien, wurde am Mittwoch von Hamsterkäufen der Bevölkerung berichtet.

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, ägypten und Bahrein sehen seit einiger Zeit mit wachsendem Verdruss, dass Qatar eine ganz eigene Außenpolitik betreibt und dabei Allianzen mit Iran, dem Erzfeind Riads, und dem von ihm unterstützen Kräften eingeht. Das harsche Vorgehen gegen Qatar solle dazu dienen, dass Doha islamistische Terrororganisationen nicht länger unterstütze, sagte der saudischen Außenminister. Adel al Dschubeir machte klar, dass Qatar einlenken müsse, wenn es seiner jetzt in Gang gesetzten Isolation entgehen will. Man wolle, dass Qatar „ein Nachbar wird, wie wir es gewohnt sind“, so der Außenminister, der in Berlin arabisch sprach. Deutsch beherrscht er wohl auch gut, weil er als Kind sieben Jahre lang hier lebte und zur Schule ging.

„In ganz anderen Situation wie noch vor ein paar Jahren“

Sigmar Gabriel, der deutsche Außenminister, machte hingegen klar, dass Deutschland und Europa ein großes Interesse daran haben, dass der Konflikt in der Golfregion nicht eskaliert. „Wir sind überzeugt, dass ein Zwist unter Partnern und Nachbarn am Ende nur den Falschen nützt“, sagte Gabriel. Gemeint war damit der sogenannte Islamische Staat (IS). Wenn man Überflüge stoppe und auch den Zugang über den Seeweg nicht mehr gewährleiste, dann sei das ein sehr hartes Vorgehen. „Wir haben die Sorge, dass sich dieser Konflikt nicht mehr einfangen lässt“, sagte Gabriel. Man könne sich kaum vorstellen, welche Folgen ein dauerhafter Bruch der arabischen Staaten mit Qatar haben würde, sagte der Außenminister, der an die zahlreichen Brandherde in der Region – neben dem Kampf gegen den IS – erinnerte: den Krieg in Syrien, den Bürgerkrieg im Jemen, den Nahostkonflikt.

Deutschland habe ein großes Interesse daran, dass es in der Anti-IS-Koalition keine Finanzierung von Terrorgruppen gebe, „auch nicht nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund“, sagte Gabriel. Er erinnerte in diplomatischer Form daran, dass auch private Stiftungen aus Saudi-Arabien immer wieder der Förderung von Terrorgruppen bezichtigt wurden. „Egal, welche Formen der Finanzierung es da gegeben hat, wir müssen das beenden“, sagte er. Man sei froh, dass Deutschland im Gespräch mit Saudi-Arabien heute „in einer ganz anderen Situation ist wie noch vor ein paar Jahren“.

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