Nicht mit Indien

Published 26/08/2016 in Familie, Gesellschaft, Gesundheit, Medizin, Wissen

Nicht mit Indien

Gewiss, von der Ukraine bis hin zu vielen US-Bundesstaaten gibt es weltweit noch viele Orte, an denen das Leihmutterwesen legal ist. Doch dass – nach Thailand im vergangenen Jahr – nun auch Indien Ausländern untersagt, indische Frauen als Dienstleister in Sachen Schwangerschaft in Anspruch zu nehmen: Das ist ein deutliches Signal des wachsenden Unbehagens. Indien, das Land des preisgünstig erfüllbaren Kinderwunsches, macht nicht mehr mit beim großen Geschäft mit der guten Hoffnung.

Nun sollte man es nicht pauschal verdammen, wenn Frauen sich bereit finden, befruchtete Eizellen für andere auszutragen. Es gibt sie durchaus, die altruistische Leihmutterschaft, die selbstlose Hilfe zur Erfüllung eines fremden Kinderwunsches. Deshalb sollte man über Leihmütter nicht moralisch rechten.

Richtig ist allerdings auch: In vielen Staaten, die Leihmutterschaft erlauben, hat sich daraus ein Milliardengeschäft entwickelt. Leidtragende sind oft genug die Leihmütter, die entweder schlecht entlohnt werden oder ganz leer ausgehen, wenn – wie so oft – die künstliche Befruchtung fehlschlägt. Deutschland hat sich längst, mit guten Gründen, für ein Verbot der Leihmutterschaft entschieden. Die Entstehung kommerzieller Geburtenindustrien in anderen Ländern lässt sich damit freilich nicht verhindern. Das können nur die jeweiligen Staaten selbst. Indien hat hier einen wichtigen Schritt getan.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/leihmutterschaft-nicht-mit-indien-1.3135509

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6 KommentareKommentieren

  • Kombi - 11/09/2016 Antworten

    nein, ich kann den weg der leihmutterschaft nicht akzpetieren, da ich ihn mit meinem wertesystem einfach nicht vereinbaren kann. so ziemliche alle gruende, die ich auch dagegen habe, sind genannt worden. es fehtl vielleicht noch der grund: wie sag ich’s meinem kinde. ich moechte immer erhobenen hauptes meinem kind genau (soweit ich es ueberhaupt weiss) alles zu seiner herkunft erzaehlen. familiengeheimnisse sind etwas ganz entsetzliches.

    und diesen satz verstehe ich einfach nicht:

    „Und ganz ehrlich, gehts noch, du redest vethische korrekt und unkorrekt. Es geht hier um Kinder um kleine Wesen.“

    und genau weil es um kinder geht, habe ich genau die meinung, die ich hier vertrete. und nur weil etwas geld kostet und man vorher viel gelitten hat, muss es nicht unbedingt gut sein.

    nein, kein kind um jeden preis. nein. das leben ist nunmal kein wunschkonzert. und das zu akzeptieren gehoert auch zum leben dazu. es gibt kein wo auch immer verbrieftes recht, eltern zu werden.

  • Kathens - 11/09/2016 Antworten

    Jetzt aber mal ganz ehrlich, viele Paare entscheiden sich doch nicht aus Jux und Dollerei für eine Leihmutterschaft. Es sind erhebliche Kosten, die damit verbunden sind und ich würde nie im Leben auf die Idee kommen, das als falschen Weg zu sehen.
    Sie haben sich als Paar dafür entschieden und damit ist es ihre Entscheidung und ihr Weg. Es wäre ja das gleiche, wenn man sagt, Gott hat entschieden, dass ihr keine Kinder bekommt und damit dürft ihr keine künstliche Befruchtung usw. machen. Für uns wäre der Weg der Leihmutterschaft nicht infrage gekommen, aber diejenigen, die diesen Weg gehen, sollte man unter keinen Umständen verurteilen (ganz davon abgesehen, ob die das in Indien (gleich nicht mehr) oder in der ukrainischen Biotexcom-Klinik tun. Sie tun das, wenn sie Hilfe brauchen!). Es hat alles sein für und wider. Manchmal muss ich echt sagen, ein wenig mehr Toleranz für andere Wege, würde allen sehr gut tun.
    Wenn du einen anderen, für dich richtigen Weg gegangen bist, ist es doch gut. Du solltest aber auch akzeptieren, wenn sich andere für den Weg der Leihmutterschaft entscheiden. Und ganz ehrlich, gehts noch, du redest vethische korrekt und unkorrekt. Es geht hier um Kinder um kleine Wesen. Und nicht jeder hat vielleicht die Chancen, die du im Leben hast oder gehabt hast.

  • Josepha111 - 11/09/2016 Antworten

    „es fehtl vielleicht noch der grund: wie sag ich’s meinem kinde. ich moechte immer erhobenen hauptes meinem kind genau (soweit ich es ueberhaupt weiss) alles zu seiner herkunft erzaehlen. familiengeheimnisse sind etwas ganz entsetzliches.“
    Das ist aber doch – mal wieder – kein leihmutterschaftsspezifisches Problem. Vor dieser Frage steht auch ihr Adoptiv-Eltern, genauso wie alle Eltern, die Samenspende, EZS oder EMS durchgeführt haben. Ob in Indien, in den USA oder in der Ukraine.

    Für meinen Mann und mich gab es auf diese Frage nur eine Antwort:
    Wir sagen dem Kind die Wahrheit.
    Damals, als wir auf dem Weg der Leihmutterschaft in der Kiewer Biotexcom-Klinik waren, gab es für uns gar keine andere Option als die, eine Leihmutter auszuwählen, die einem späteren Kontakt zustimmt. Natürlich hätten wir es dem Kind erzählt und hätten die Kontaktaufnahme mit der Leihmutter – so das Kind diese später gewünscht hätte – unterstützt.

    Jetzt bin ich dank HI schwanger. Auch das wird unser Kind erfahren und den Spender – so es will – kennen lernen.
    Und auch wir werden es erhobenen Hauptes erzählen. Wieso auch nicht?
    Fällt dir eigentlich auf, dass du diesen Satz 1:1 den EZS-/EMS-Eltern um die Ohren hauen könntest?
    Und dass das die Gegner dieser Methoden auch tun?

    Quintessenz:
    Das Verbot besteht zum Schutz und zum Wohle des Kindes.
    Ich frage mich:
    Schutz wovor?
    Vor seiner Existenz?

    Lehnst du EZS, EMS und Samenspende eigentlich auch ab?
    Die Leihmutterschaftsbehandlung birgt keine Garantie, räumt den Wunscheltern daher auch kein Recht auf ein Kind ein. Die Chancen werden dadurch lediglich erhöht oder biologische Nachteile kompensiert (letzteres bezieht sich z.B. auf Fälle wie die der TE, die keine Gebärmutter hat und die durch Leihmutterschaft ihre Chancen zur Familiengründung von „Null“ auf das Niveau eines gesunden Paares anheben kann).

  • lottiXXL - 11/09/2016 Antworten

    mhhh,

    eizellenspende befuerworte ich auch nicht (sofern die eizellen extra fuer die spende produziert worden), aber das sowas jetzt in indien verboten wurde, begrüße ich nicht. Ob dadurch die ukraine alle deutschen kiwu-patienten, die in d keine hilfe bekommen können, nun bekommt und solche kiwu-zentren wie biotexcom total ausbelastet werden, weiß ich nicht. Aber! Was ich unbedingt sagen möchte: ich moechte nicht, dass jemand gegen geld schwere gesundheitliche risiken eingeht, nur um meine biologischen nachteile zu kompensieren. ich wuerde mir auch keine niere kaufen.

    und noch eins, ich schrieb: muss es nicht unbedingt gut sein. das heisst nicht, dass alles schlecht sein muss.
    aber ich denke, dass hier argumentativ so oder so hopfen und malz verloren ist, bin aber trotzdem besorgt, wie weit mittlerweile fuer die vermeintliche erfuellung des kinderwunsches gegangen wird und dass es wohl allem anschein nach ueberhaupt nicht mehr moeglich sein kann, auch mal sein schicksal zu akzeptieren, so bitter es sein mag. aber auch ein leben ohne kinder kann ein erfuellendes leben sein. kein kind ist der garant fuer das glueck seiner eltern, waere wohl auch ein wenig viel verantwortung auf den schultern eines kleinen wesens.

  • loulou - 11/09/2016 Antworten

    „Und auch nicht für alle Inder: Homosexuellen, Ledigen, unverheirateten Paaren und Ausländern soll es künftig verboten sein, eine solche Leistung in Anspruch zu nehmen. Als Leihmütter kommen zudem nur noch enge Verwandte eines Paares infrage, die selbst verheiratet und mindestens schon einmal Mutter geworden ist. Für das Paar selbst gelten zudem Altersbeschränkungen.“

    In diesem Zusammenhang wäre es interessant, die Nierenspende in D anzusprechen. Denn die Lebend-Nierenspende ist in Deutschland unter sich nahe stehenden Personen (Verwandten, langjährige enge Freunde) – selbstverständlich unentgeltlich – zugelassen. Ebenso wie die Lebend-Spende von Teilen der Leber und des Darms.
    Es ist und bleibt für mich unverständlich, warum in Deutschland eine Schwester der anderen eine Niere spenden, aber kein Kind austragen darf. Zumal mit der Lebend-Spende höhere gesundheitliche Risiken und Spätfolgen – auch langfristig – für den spendenden Menschen einhergehen als mit einer Schwangerschaft (in der Regel).

    Dass der Organhandel in Deutschland verboten ist, finde ich hingegen richtig.
    Nur: Ich – als gesunder Mensch mit gesunder Familie – sitze da auch auf einem hohen Roß. Aus meiner jetzigen Situation heraus behaupte ich auch ganz inbrünstig, dass ich weder für mich noch für meinen Mann noch für mein Kind jemals eine Niere kaufen würde. Ich hoffe, ich wäre stark genug, bei dieser Meinung zu bleiben und einen mir nahe stehenden Verwandten dann auch konsequent in den Tod zu begleiten, anstatt schließlich doch nach dem letzten Strohhalm zu greifen.
    Und diejenigen Menschen, die tatsächlich nach diesem Strohhalm greifen, kann ich einfach nicht verurteilen, den moralischen Stab über ihnen brechen und ihnen sagen, dass sie ihr Schicksal eben akzeptieren und sterben sollen, sogar wenn jemand der von mir aus Biotexcom oder sonstwie heißt einen Millionengeschäft daraus macht, so falsch ich persönlich ihr Handeln auch finden mag.

  • mimiengel - 11/09/2016 Antworten

    „Außenministerin Swaraj wies auch darauf hin, dass es inzwischen eine Modeerscheinung bei reichen Indern geworden sei, ihre Kinder von einer Leihmutter austragen zu lassen, obwohl dazu keine medizinische Notwendigkeit besteht.“

    Dabei gibt es in Indien so gut wie keine gesetzliche Regulierung der Fortpflanzungsmedizin.
    Weswegen werden hier doch oft extrem arme Frauen ausgebeutet, um wohlhabenden Ausländern zum Kind zu verhelfen.

    In Tschechien bekommt eine Eizell-Spenderin pro Spende +/- 800 Euro.
    Die Spenderinnen werden in ein landesweites Register aufgenommen.
    Es gibt Kliniken, die darauf achten, dass eine Spenderin max. 2 – 3 x spendet. Ist diese Anzahl im Register erreicht, wird sie abgewiesen.
    Andere streichen die Spenderinnen, wenn sie max. 3 Kinder gezeugt haben.
    Als regelmäßige Einnahmequelle taugt die Eizellspende also nicht. Ein nettes, einmaliges „Taschengeld“ ist es sicher allemal.
    In der Ukraine ist die Branche so gut geregelt, dass alles juristisch sowie auch medizinisch gesehen reibungslos verläuft und die Preise dabei viel niedriger als in Tschechien sind: https://www.youtube.com/channel/UC3wkbgaaXc2XaxTYJhtR0rA

    Ich bezweifle aber, dass das Geld das einzige Motiv dieser Frauen ist und würde mich sogar so weit aus dem Fenster lehnen, dass ich behaupte: Es ist auch nicht das Hauptmotiv (wobei das individuell durchaus unterschiedlich gewichtet sein mag).
    Fragt man nämlich Eizellspenderinnen, geben sie oft an, sie spenden aus folgenden Gründen: Hilfsbereitschaft, Mitleid/Mitgefühl (manche sagen, sie kennen selbst jemanden, der unerfüllten KiWu hat(te), ist ja bei Samenspendern auch ein oft genanntes Motiv) und das Gefühl, dass es „richtig“ ist, neues Leben zu erschaffen.

    Das Motiv, gesundheitliche Risiken einzugehen, um eines anderen Menschen biologische „Nachteile“ auszugleichen, gibt es hierzulande übrigens bei der Knochenmarkspende. Ohne dass der Spender auch nur einen einzigen Cent bekommt (lediglich Reisekosten und Verdienstausfälle werden ihm erstattet), lässt er sich narkotisieren und den Beckenknochen punktieren (was vom „Aufwand“, den Risiken und den Schmerzen in etwa vergleichbar mit einer Follikelpunktion sein dürfte) oder er nimmt Medikamente (mit Nebenwirkungen) und unterzieht sich einer Art „Blutwäsche“, die seine gesunden Stammzellen aus dem Blut ausfiltert. Das alles anonym für einen wildfremden Menschen, den er noch nie gesehen hat und vielleicht auch nie sehen wird.

    Es ist natürlich vollkommen okay, wenn man bei der EZS eine persönliche Grenze zieht und sie ablehnt. Nur bin ich dafür, das Verbot in Deutschland zu lockern für all diejenigen, die sie eben nicht ablehnen und sie für sich in Anspruch nehmen möchten. Mich stören einfach diese völlig unsinnigen Verbote und Bevormundungen.

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